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  Lesealter: 14 Jahre  

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Am Ende zählt alles
'Asher, Jay - Tote Mädchen lügen nicht'

as für ein Debüt! Der Roman des amerikanischen Autors Jay Asher „Tote Mädchen lügen nicht“ gehört zu den Büchern, die einem während des Lesens mit einem Ruck den Boden unter den Füßen wegziehen, die Denkprozesse in Gang bringen und lange im Gedächtnis haften bleiben. Kurz: Ein Buch das alle Aufmerksamkeit verdient.

Eine Tote ergreift das Wort

Seit einigen Wochen ist in der Oberstufenklasse von Clay ein Stuhl leer. Und er bleibt auch leer, denn Hannah Baker hat sich das Leben genommen. Die Mitschüler und Lehrer waren alle überrascht, als sie die tragische Nachricht hörten, denn keiner konnte sich die Tat erklären. Doch als Clay eines Tages einen Schuhkarton mit sieben Musikkassetten erhält, ist er fassungslos, als er darauf Hannahs Stimme hört, live und in Stereo. Vor ihrem Tod hat Hannah über ihre Erlebnisse und Gedanken gesprochen und dreizehn Personen sollen sich ihre Geschichte anhören, denn diese dreizehn Personen haben bei ihrem Tod eine Rolle gespielt. Nacheinander erhalten alle ihre Kassetten, denn jeder, der sie angehört hat, schickt sie an seinen Nachfolger in der Geschichte weiter. Die Empfänger sind nicht nur Freunde und Mitschüler, auch Lehrer von Hannah erhalten Post, so dass am Ende für keinen die müde Entschuldigung bleibt, er habe nichts mit ihrem Tod zu tun und könne ihn sich auch gar nicht erklären.

Keine Sicherheit, nirgends

Einzeln betrachtet, sind es Kleinigkeiten, die sich am Ende zu einer Lawine auftürmen. An erster Stelle von Hannahs Erzählung steht Justin, der Junge der Hannah den ersten Kuss gibt. Hannah ist völlig fassungslos, als sie erfährt, dass Justin die harmlose romantische Angelegenheit zu einer riesen Sache aufbauscht und bei seinen Freunden kräftig mit seinen sexuellen Erfahrungen prahlt. „Ein Gerücht um einen Kuss hat mir den Ruf eingebracht, den andere Leute für bare Münze nehmen.“ Tyler, ein Junge aus ihrer Klasse, verfolgt sie seither mit seinem Fotoapparat und lauert ihr sogar nachts vor ihrem Zimmer mit seiner Kamera auf. Um ihn zu ärgern, massiert sie eines Abends ihre Freundin Courtney und bestätigt so aus Jux wieder ihren schlechten Ruf. Keine gute Idee.

In der Schule weckt ein neues Fach ihr Interesse. Mit großer Begeisterung besucht sie den neuen Lyrikkurs und freundet sich mit Ryan an. Die beiden tauschen sogar ihre Gedichte aus. Eigentlich hat sie gehofft in ihm eine Art Seelenverwandten gefunden zu haben. Nie im Leben hätte Hannah damit gerechnet, dass Ryan ihr Vertrauen missbraucht und eines ihrer persönlichsten Gedichte stiehlt und ohne ihr Wissen in der Schulzeitung veröffentlicht. Immer wenn Hannah meint, einen Freund gefunden zu haben dem sie vertrauen kann, wird sie bitter enttäuscht und hintergangen. Am Ende wird pausenlos hinter ihrem Rücken in der Schule getuschelt, selbst daheim in ihrem Zimmer ist sie nicht mehr ungestört. Und das Schlimmste: auch ihre Gedanken werden der Lächerlichkeit preisgegeben.

Ein Roman in Stimmen

Jay Asher erzählt diese aufwühlende Geschichte nicht eindimensional, sondern er bedient sich mehrerer Erzählebenen und verschiedener Stimmen. Zu Hannahs Stimme kommen die Überlegungen von Clay, der sich daran erinnert, wie er die einzelnen Vorfälle erlebt hat, was er sich dabei dachte und wie Hannah auf ihn wirkte. Während er sich die Kassetten anhört, fährt er zu den Plätzen, die Hannah beschreibt. Er schaut sich den Spielplatz an, setzt sich aufs Klettergestell, auf dem sie ihren ersten Kuss erhielt und geht weiter bis zur Kreuzung. Hier geschah in der Nacht, als alle Mitschüler eine gigantische Party gefeiert haben ein Unfall, bei dem ein Schüler der Abschlussklasse getötet wurde. Schuld war ein fehlendes Verkehrszeichen, ein umgefahrenes Stoppschild. Hannah weiß, dass genau dieses Zeichen kurz zuvor von ihrer Freundin Jenny mit dem Auto umgefahren wurde, denn Hannah saß mit im Wagen. Die Mädchen haben zu wenig an die Konsequenzen ihres Handelns gedacht.

Das richtige Wort am richtigen Ort

Es bleibt nach diesem Roman, der von Jugendlichen und Erwachsenen mit Gewinn gelesen wird, die erschreckende Erkenntnis, dass oft Kränkungen, die vielleicht gar nicht als so schlimm empfunden werden, unbeabsichtigte, weitreichende Folgen haben und ganze Kettenreaktionen auslösen. Übrigens, auch Clay, der zu Beginn lapidar meint, dass er Hannah Baker kaum kannte, dass er lediglich einen Sommer im Kino mit ihr gejobbt und auf einer Party ein bisschen mit ihr rumgeknutscht hätte, muss am Ende diese Meinung kräftig revidieren. Das richtige Wort von ihm an der richtigen Stelle hätte die Dinge ändern können.

Jay Asher kam während des Besuchs eines Museums, als er mit einem Audioführer durch die Ausstellung geleitet wurde, auf die Idee zu diesem Buch. In seinem Roman führt die Stimme Hannahs durch ihr kurzes Leben – eine Audioführung bis zum Tod.
Manuela Haselberger, 2009-04-04



   Asher, Jay -
   Tote Mädchen lügen nicht
    Originaltitel: »13 Reasons Why«, © 2007
    Übersetzt von Knut Krüger
    © 2009, München, Random House GmbH, 288 S.,
    14.95 € (Hardcover)
    19.95 € (Audiobook)
    12.95 € (E-Book)
   


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