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G a r g o y l e
'Davidson, Andrew - Gargoyle'

s sieht ganz danach aus, als hätte der Amerikaner Andrew Davidson mit seinem Debüt „Gargoyle“ den schönsten Liebesroman dieses Frühjahres geschrieben. Noch bevor er seine Liebesgeschichte beendete, erhielt er eine Million Dollar von seinem Verlag, die Rechte des Buches wurden vorab in sechsundzwanzig Länder verkauft - eine Menge Vorschusslorbeeren für einen völlig unbekannten Autor.

Der Einstieg in die Geschichte beginnt temporeich. Ein Mann, Mitte dreißig, der seinen Lebensunterhalt als erfolgreicher Pornodarsteller verdient, rast nachts mit seinem Auto eine Landstraße entlang. Zwischen den Beinen klemmt eine Flasche Bourbon, aus der er bereits eine ganze Menge getrunken hat. Es geschieht das Unvermeidliche: der Wagen schleudert, fängt Feuer und der Fahrer überlebt nur mit alllerschwersten Verbrennungen. Den Ärzten erzählt der Verletzte später, dass eine Reihe brennender Pfeile auf ihn geschleudert worden seien und dies die Unfallursache war. Stimmt das oder hat er am Abend zuvor doch zu viel Koks erwischt?

Im Krankenhaus bleibt dem Schwerverletzten eine Menge Zeit zum Nachdenken. Die Schmerzen lassen sich selbst durch Morphium kaum in Schach halten und darum denkt er daran, sobald er aus der Klinik kommt, sich umzubringen. Doch eine geheimnisvolle Besucherin kann ihn letztlich umstimmten. Zunächst glaubt er ja, dass die schöne Unbekannte, die so oft an seinem Bett sitzt und sich ihm als Marianne Engel vorstellt, und voller Überzeugung behauptet, dass sie ihn schon seit siebenhundert Jahren kennt, direkt aus der Psychiatrie entsprungen ist. Zu seltsam sind die Erzählungen, die Marianne aus ihrem vergangenen Leben im Kloster Engelthal schildert. Kann es sein, dass er damals auch schon als Söldner schwer verwundet worden war und von ihr und den anderen Nonnen gepflegt wurde? Zum einen lenken die wunderschönen Geschichten, die Marianne erzählt, von den Schmerzen ab und zum anderen fesselt den Kranken ihre gemeinsame Liebesgeschichte aus dem Mittelalter. Es gibt Tage, an denen Marianne nicht erscheint. Dann arbeitet sie wie eine Besessene als Bildhauerin in ihrer Werkstatt. Mit an Wut grenzender Kraft schafft sie Gargoyles aus Stein. Sie befreit diese kleinen Gnome, die oft Drachenköpfe haben und als Wasserspeier heute noch an vielen mittelalterlichen Kirchenfassaden zu entdecken sind, aus ihren steinernen Gefängnissen.

Es ist zu wenig, wenn man Andrew Davidson zu einem großartigen Liebesroman gratuliert. „Gargoyle“ ist mehr. Und es ist auch nicht nur ein sorgfältig recherchierter historischer Roman, der das Kloster Engelthal, das im 14. Jahrhundert eine Hochburg des deutschen Mystizismus war, in den Mittelpunkt rückt. Davidson spielt mit leichter Hand mit literarischen Hinweisen, zitiert Dantes „Inferno“ und wandert unbekümmert durch dessen Kreise der Hölle. Wie er die Halluzinationen während des Morphium – Entzugs beschreibt - großartig. Kurzum: „Gargoyle“ spricht den Leser auf einer Vielzahl von Ebenen an, langweilt nie und bietet dazu noch intelligente Unterhaltung.
Manuela Haselberger, 2009-03-10



   Davidson, Andrew -
   Gargoyle
   
    © 2009, Berlin, Bloomsbury, 564 S.,
    22.00 € (Hardcover)
    38.75 € (Audiobook)
   


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