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Farbige Zeiten
'Gates jr, Henry Louis - Farbige Zeiten'

n die Schlagzeilen kam der amerikanische Harvard – Professor Henry Louis Gates, als er vor Kurzem versuchte, zusammen mit einem Taxifahrer, durch die Hintertür sein Haus zu betreten, da seine Haustüre klemmte. Eine Nachbarin vermutete einen Einbruch und alarmierte die Polizei, da sich zwei farbige Männer mit Rucksäcken an der Tür des Nachbarhauses zu schaffen machten. Prompt stand wenige Minuten später die Polizei an der Tür und Professor Gates wurde unter massivem Protest in seinem eigenen Haus verhaftet. Es dauerte nicht lange, bis in den USA wieder eine rege Rassismus - Diskussion im Gange war, in die sich sogar Präsident Obama, ein guter Freund von Gates, einmischte.

In seinem Buch „Farbige Zeiten“, das im Jahre 1997 auf Deutsch erschien und jetzt bei Diogenes neu aufgelegt wurde, erzählt Gates über seine Kindheit und Jugend im Städtchen Piedmont in West Virginia. Er bewahrt seine Erinnerungen an die 50er Jahre für seine Kinder auf, die sich nicht vorstellen können, wie es war, als in den Gaststätten der Zutritt für „Neger“ verboten war und sie auch nicht einfach an den Strand gehen konnten. Das Leben der schwarzen Bevölkerung in Piedmont spielte sich streng getrennt vom weißen Teil ab. Doch Gates denkt gerne an die Abende mit der Familie vor dem Fernseher zurück, oder wie lecker der Mais geschmeckt hat, den es traditionell zum Picknick bei der Papiermühle einmal im Jahr gab.

„Den größten Teil meiner Kindheit konnten wir weder in Restaurants essen gehen noch in Hotels schlafen, wir durften bestimmte Toiletten nicht benutzen und beim Einkaufen keine Kleider anprobieren.“ Der schwarze Entertainer Bert Williams brachte es auf den Punkt: „Farbig zu sein ist keine Schande, es ist bloß fürchterlich unpraktisch.“

Henry Louis Gates hatte Glück, denn als er zur Schule ging, wurde gerade die Rassentrennung aufgehoben und es gab fortan gemischte Klassen. Der strebsame Einser-Schüler findet auch sofort eine Freundin, die ebenso ehrgeizig ist wie er. Allerdings ist das kleine Mädchen weiß. Und schon stellen sich wieder die Probleme mit der Hautfarbe. Auch in der Schule sind sie nicht wegzudenken.

Doch bei allen Schwierigkeiten und Ungerechtigkeiten, die Gates beim Namen nennt, schildert er keine unglückliche Kindheit. Ganz im Gegenteil. Der kleine Junge fühlte sich in der Großfamilie in Piedmont sehr geborgen und wuchs behütet auf. Nie im Leben hätte seine Mutter zugelassen, dass einer ihrer Jungs schlecht behandelt wird. Dafür war sie eine viel zu streitbare Frau.

Henry Louis Gates hat die 50er Jahre noch einmal zum Leben erweckt und neben einem Porträt dieser Zeit auch die bemerkenswerte Biografie eines Jungen geschrieben, der als erster Farbiger in Cambridge in Literatur promovierte und heute in Harvard als Professor unterrichtet. Er ist ein wunderbarer Stilist und unterhält seine Leser mit seinen pointierten Beobachtungen vortrefflich.
Manuela Haselberger, 2009-09-28



   Gates jr, Henry Louis -
   Farbige Zeiten
    Originaltitel: »Colored People. A Memoir«, © 1995
   
    © 2009, Zürich, Diogenes, 304 S.,
    9.90 € (Taschenbuch)
   


          Taschenbuch - broschiert




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© 2009-09-28

by Manuela Haselberger
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