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Arme Kinder – armes Deutschland
'Meyer-Timpe, Ulrike - Unsere armen Kinder'
Wie Deutschland seine Zukunft verspielt

s sind die Skandalfälle in den Nachrichten, die Aufhorchen ließen und die die Menschen sensibilisiert haben: Die siebenjährige Jessica verhungerte 2005 in Hamburg - Jenfeld, die kleine Lea-Sophie aus Stettin erlitt das gleiche Schicksal. Wie kann es geschehen, dass in einer reichen Stadt wie Hamburg, in einem wohlhabendenden Land wie Deutschland heute Kinder verhungern? Wer trägt die Schuld? Die Eltern, die Lehrer oder das Jugendamt, am Ende der Staat?

Wer ist schuld?

Mit der Frage nach den Ursachen der Kinderarmut beschäftigt sich die Journalistin Ulrike Meyer-Timpe in ihrem Buch „Unsere armen Kinder“ und sie belässt es nicht dabei, sondern geht sogleich einen Schritt weiter und zeigt erfolgreiche Modelle aus der Misere, die beispielsweise in Amerika oder Finnland praktiziert werden.

Von Beruf: Hartzer

Materiell arme Kinder sind vorwiegend in sozial schwachen Familien zu finden, und es muss einem schon zu denken geben, wenn ein Junge, der nach seinem Berufswunsch gefragt wird, voller Überzeugung antwortet: „Ich werde Hartzer“. Schließlich kennt er es nicht anders. Seine Familie, die Familien seiner Freunde, sie alle leben von Hartz IV. Der Besuch einer weiterführenden Schule? Nicht daran zu denken. Daheim interessiert es keinen, ob Hausaufgaben von den Kindern gemacht werden. Geld für Bücher oder Stifte ist nicht vorhanden. Oft nicht einmal ein eigenes Zimmer.

Armut als Erbschaft

Außerordentlich klar und gut nachvollziehbar beschreibt Meyer-Timpe, dass es in unserer Gesellschaft mit der viel gerühmten Chancengleichheit nicht weit her ist. Kaum zu glauben, dass sich die Armut über Generationen vererbt. Wer das verhindern will, muss mit allen Mitteln versuchen, diesen Teufelskreis aus mangelnder Schulbildung, Arbeitslosigkeit und dem Leben am Rand der Gesellschaft zu durchbrechen.

Denkt man an die explodierenden Lebensmittelpreise der letzten Jahre, die gestiegenen Stromkosten, wird deutlich, dass Hartz-IV-Empfänger einen hohen Anteil ihres knappen Budgets für diese Posten rechnen müssen. Da stellt sich schnell in einer Familie die Frage: Wo wird gespart - an der Essensmenge oder der -qualität? Für Kitas und Horte muss es selbstverständlich sein, dass die warme Mahlzeit von jedem Kind bezahlt werden kann.

Hilfe zur Selbsthilfe

In Berlin wird zurzeit erfolgreich ein Modell praktiziert, in dem Frauen mit kleinen Kindern von anderen ausgebildeten Frauen aus ihrer Nachbarschaft gezeigt bekommen, wie man gesund für eine Familie kocht. Leider ist vielen Müttern, die mit wenig Geld haushalten müssen, gar nicht bewusst, wie wichtig eine gesunde Ernährung für ihre Kinder ist und was darunter überhaupt zu verstehen ist.

Oder in Gesprächen wird erklärt, warum der Besuch einer Kindertagesstätte für ein Kind, das beispielsweise aus einer Migrations - Familie stammt, enorme Bedeutung hat. Denn mit der Beherrschung der deutschen Sprache ist der Schulbesuch um einiges leichter. Niemand braucht sich zu wundern, dass die Zahl der ausländischen Schüler, die an einem Gymnasium ihr Abitur bestehen, verschwindend gering ist.

Wenn der gesellschaftliche Rand rebelliert

Erschreckend werden die vielen Fakten, die Ulrike Meyer-Timpe zusammengetragen hat, wenn sie ganz am Ende ihres aufrüttelnden Berichts das Resümee zieht, dass es sich unsere Gesellschaft bewusst leistet, einen immer größer werdenden Anteil von Menschen an den Rand zu drängen. Wenn dieser Rand überhand nimmt und sich in dieser Gesellschaft nicht mehr wohlfühlt, weil er noch nie auch den Hauch einer Chance hatte, wird dies für alle Beteiligten nicht gut enden. Darum muss jetzt nach Lösungen gesucht werden und die gibt es, sei es in Dormagen, hier hilft die Stadt Familien, die in Not geraten, oder in der Hamburger Arche, die einen kostenlosen Mittagstisch für die Kleinen anbietet.

Ulrike Meyer-Timpe legt in ihren Ausführungen den Finger auf ein brennendes gesellschaftliches Problem und bietet konkrete Lösungswege an. Ein rundum gelungenes, wichtiges Buch.
Manuela Haselberger, 2009-10-03



   Meyer-Timpe, Ulrike -
   Unsere armen Kinder
   
    © 2009, München, Pantheon Verlag, 208 S.,
    12.95 € (Hardcover)
   


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by Manuela Haselberger
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