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Eine kurze Karriere als Dämon
'Hill, Joe - Teufelszeug'

er amerikanische Autor Joe Hill hat sich sein Pseudonym mit Bedacht gewählt, denn wer will schon ständig mit dem berühmten Vater verglichen werden? Und wenn der auch noch Stephen King heißt, dann liegt die Messlatte zweifellos hoch. Dabei braucht Joe Hill den Vergleich überhaupt nicht zu scheuen, denn er schreibt sehr gut, unterhält hervorragend und dosiert die Spannung so fein, bis sie kaum mehr auszuhalten ist. Die vielen Auszeichnungen („Bram Stoker Award“, „World Fantasy Award“, „Ray Bradbury Fellowship“) sprechen für sich. Eine weitere Gemeinsamkeit mit seinem erfolgreichen Vater ist das Genre des Horror-Romans. Doch Joe Hill setzt auch hier ganz eigene, überraschende Akzente

Zwei Hörner - und nun?

Als Ig Perrish nach einer wild durchzechten Nacht am nächsten Morgen aufwacht, erinnert er sich kaum noch an Einzelheiten. Zu viel Alkohol, zu laute Musik, einfach zu viel von allem. Beim Blick in den Spiegel traut er seinen Augen kaum: Ihm sind über Nacht zwei Hörner auf der Stirn gewachsen. Das war definitiv eine wilde Nacht. Als die Hörner im Lauf des Vormittags nicht verschwinden wollen, und sich nicht als schlechte Einbildung erweisen, sucht Ig verzweifelt Hilfe. Er fährt zum Arzt, besucht die Kirche, fragt bei Freunden, es kann ihm absolut niemand helfen. Doch bei den verschiedenen Gesprächen macht Ig eine merkwürdige Entdeckung: Die Menschen, mit denen er sich unterhält, vertrauen ihm plötzlich ihre intimsten Gedanken an, erzählen von ihren Wünschen und Sehnsüchten und können sich kurz nach dem sie mit ihm gesprochen haben an nichts mehr erinnern. Und wenn Ig sein Gegenüber berührt, kann er unvermittelt in die Erinnerungen der betreffenden Person eintauchen. Doch nicht immer sind es erfreuliche Dinge, die Ig erfährt. Und eine Sache interessiert ihn ganz besonders: Vor einem Jahr wurde seine Freundin Merrin brutal vergewaltigt und ermordet. Auch damals hat er einen Filmriss zum Tatzeitpunkt gehabt und er wurde als Haupt-Verdächtiger von der Polizei festgenommen. Bis heute ist seine Unschuld nicht zweifelsfrei bewiesen und ein Schuldiger wurde nicht gefunden. Da lohnt es sich für Ig, genau hinzuhören, was ihm alles anvertraut wird.

Lügen, nichts als Lügen

Seine Familie feiert den achtzigsten Geburtstag seiner Großmutter. Soll Ig nach langer Zeit wieder einmal nach Hause fahren? Er hat ziemlich Angst vor dem, was seine Mutter oder sein Vater ihm erzählen würden. Will man wirklich die geheimsten Wünsche seiner Eltern kennen? Umso überraschter ist Ig, als er herausfindet, dass sein älterer Bruder Terry und sein bester Freund Lee die letzten waren, die mit Merrin zusammen waren. Es stimmt, dass er sich an ihrem letzten Abend fürchterlich mit Merrin gestritten hat, doch was danach geschah, an das kann er sich nicht mehr erinnern. Viele Ereignisse aus der Vergangenheit, die Ig mit seinem Kumpel Lee erlebt hat, stellen sich nach und nach ganz anders dar. Gut, Lee hat Ig schon immer angelogen, als er beispielsweise zu Beginn ihrer Freundschaft behauptet hat, dass er aus einem armen Elternhaus stammt. Doch kann es sein, dass Lee auch mit Merrin zusammen sein wollte?

Ein Dämon auf der Suche nach der Wahrheit

Je länger Ig versucht, die Puzzle-Teile aus der Vergangenheit zusammenzusetzten umso deutlicher kristallisiert sich ein vollkommen anderes Bild heraus. Freunde, von denen er geglaubt hat, dass er sich felsenfest auf sie verlassen kann, zeigen ein ganz anderes Gesicht. Je klarer Ig erkennt, was wirklich geschehen ist, umso mehr arrangiert er sich mit seinen Hörnern und seinen neuen dämonischen Eigenschaften.

In erster Linie hat Joe Hill einen super spannenden Thriller geschrieben, den er mit Elementen aus dem Horror-Genre anreichert. Da schlängeln sich gefährliche Schlangen im Unterholz und wecken Urängste, Feuer lodert unvermittelt auf und hinterlässt nichts als verbrannte Erde. Richtigen Drive entwickelt die Geschichte, wenn es um die interessante Grundfrage geht, was geschieht, wenn sich die Umwelt, die Freunde, als längst nicht so nett und zuvorkommend erweisen, wie man gedacht hat. Und genau dies schält Joe Hill Zug um Zug immer weiter aus einem vermeintlichen bekannten Plot heraus. Er schildert den erbitterten Kampf des Einzelnen um die Wahrheit diabolisch gut und kann sich darin mit Großmeister Alfred Hitchcock durchaus messen.
Manuela Haselberger, 2010-10-14



   Hill, Joe -
   Teufelszeug
    Originaltitel: »Horns«, © 2010
    Übersetzt von Hannes Riffel
    © 2010, München, Heyne Verlag, 544 S.,
    19.99 € (Hardcover)
   


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