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Adams Erbe
'Rosenfeld, Astrid - Adams Erbe'

och bevor das Debüt der jungen Autorin Astrid Rosenfeld, geb. 1977 in Köln, auf dem Markt war, zeichnete sich beim Diogenes Verlag in der Schweiz eine Sensation ab: die Stimmen aus dem Buchhandel zu diesem Roman waren außerordentlich zahlreich und sie waren hellauf begeistert. Einen ähnlichen Hype hat dort bisher nur Andrzej Szczypiorskis „Die schöne Frau Seidenmann“ ausgelöst.

Eigentlich verbinden sich in „Adams Erbe“ zwei Geschichten und ihr Berührungspunkt ist das Jahr 2004. Ort der Handlung: ein Dachboden in Berlin. Hier findet Edward Cohen, Sohn einer exzentrischen Mutter, die immer nur das Glück sucht und ständig knapp daran vorbei schlittert, im alten Haus seiner Kindheit, nach dem Tod der dominanten Großmutter, ein verschlossenes Päckchen. Niemand hat sich die Mühe gemacht, es zu öffnen. Das darin enthaltene Manuskript ist adressiert an eine gewisse Anna Guzlowski. Edward, der selbst gerade vor den Scherben seiner Existenz steht, seine exklusive Boutique aufgeben möchte und in eine unglückliche Liebesaffäre verstrickt ist, beginnt zu lesen und versinkt augenblicklich in der eigenen Familiengeschichte. Seine Großeltern haben sein Äußeres schon immer mit Adam, dem verschollenen Bruder des Großvaters verglichen und nun erfährt Edward, was es mit dem schwarzen Schaf der Familie auf sich hat.

Adam ist ein Kind, das nicht gerne zur Schule geht, darum Privatunterricht erhält und am liebsten bei seiner Großmutter Edda in der Dachwohnung spielt. Mit ihr zusammen schaut er sich die Zigarettenbildchen an, die führende Nazigrößen abbilden. Edda pinnt sie alle an die Wand und erklärt Adam, dass der lächerliche August, so nennt sie Hitler, wohl ein Alkoholiker sein müsse, so abwegig findet sie seine Ideen. Doch Adam und seine jüdische Familie bleiben trotz ihres zurückgezogenen Lebens vor der Verfolgung nicht verschont. Adam trifft mit Anna die Frau seines Lebens. Doch ihre Liebe hat nur wenige Tage, denn Anna wird kurz darauf abgeholt und verschwindet spurlos. Man munkelt, sie wurde nach Krakau gebracht. Adam zögert nicht lange und er erhält alle Unterstützung von Edda für seine Flucht: Er wird Anna suchen. Am Ende steht er vor einer schweren Wahl: wird er für Annas Freiheit selbst ins Ghetto gehen? Zielstrebig folgt er dem Rat Eddas: „Manchmal muss man den Wahnsinn wagen, um normal zu bleiben.“

Astrid Rosenfeld malt in kraftvollen Bildern zwei ganz unterschiedliche Erzählstränge, die ein gemeinsames Grundthema verbindet: die Liebe und ihre Variationen. Eingebettet hat sie dies in sechzig Jahre deutsche Geschichte. Hervorzuheben sind ihre originellen, skurrilen Charaktere, die allesamt niemals schablonenhaft wirken. Unvergessen, Edwards Ziehvater, der dem Jungen schon mit acht Zigaretten anbietet und einmal monatlich im Zoo für die Elefanten singt und so zum Gott der Elefanten wird. Oder die herrlich unkonventionelle Edda, die mit einem späteren Sturmbannführer befreundet ist, seine Partei als Verein abtut und den Führer als August bezeichnet und am liebsten Asbach trinkt. Es ist auf jeder Seite dieses Romans spürbar, dass hier eine Autorin erzählt, die Spaß an ihren Personen und ihrer Geschichte hat.

Werbefilm vom Diogenes-Verlag auf youtube.de


Manuela Haselberger, 2011-02-26



   Rosenfeld, Astrid -
   Adams Erbe
   
    © 2011, Zürich, Diogenes Verlag, 395 S.,
    21.90 € (Hardcover)
   


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© 2011-02-26

by Manuela Haselberger
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