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Sommertöchter
'Seydlitz, Lisa-Maria - Sommertöchter'

o eine Post findet Juno nicht alle Tage im Briefkasten: ein anonymer Briefschreiber teilt der jungen Frau mit, dass sie ein kleines Fischerhaus in der Bretagne geerbt hat. Nach der ersten Überraschung kommt Juno ins Grübeln. Was soll sie damit anfangen: renovieren, vermieten, selbst nutzen? Ihre Mutter behauptet keine Erinnerung an ein Haus zu haben, so bleibt Juno nichts anderes übrig, als selbst das Häuschen in Augenschein zu nehmen. Doch als sie ihr Reiseziel erreicht, stellt sie fest, dass sie keineswegs allein in ihrem Ferienhaus wohnt. Eine junge Frau namens Julie, die im Sommer im Café des Dorfes arbeitet, hat hier ebenfalls ihre Zelte aufgeschlagen.

Juno streift durch die herbe Landschaft der Bretagne und verliert sich dabei gerne in Erinnerungen an ihre Kindheit. Häufig war der Vater auf Geschäftsreisen, immer wieder ließ er sie und ihre Mutter, die mit der Arbeit in ihrer Buchhandlung rund um die Uhr beschäftigt war, alleine zurück. Wenn er da war, hatten Juno und er eine Menge Spaß. Sie spielten Tennis, werkelten im Garten. Doch dann begann seine Krankheit. Die Klinikaufenthalte wurden immer häufiger und dehnten sich endlos lange aus. Der Vater versank in Depressionen, litt unter Schmerzen und Mutter und Tochter konnten nur hilflos zusehen.

Lisa-Maria Seydlitz, geb. 1985, hat mit ihrem Debüt „Sommertöchter“ einen leisen Roman geschrieben, in dem sie die Gegenwart in der Bretagne immer wieder mit Kindheitserinnerungen von Juno versetzt. Die Sprache ist so karg und herb wie die bretonische Landschaft. Vieles wird nicht ausformuliert, sondern ergibt sich ganz selbstverständlich zwischen den Zeilen. Schmerzhaft erkennt Juno, dass sie sich als Kind ein völlig anderes Bild von ihrem Vater gemacht hatte und die Familienidylle, die sie erlebte, längst nicht so harmonisch war, wie sie glaubte. Zusammen mit Julie, der sie zunächst sehr distanziert gegenüber steht, entdeckt sie einen ganz neuen Vater, der ein völlig anderes Leben führte.

Längst hat sich die Mutter in Deutschland nach dem Tod des Vaters ein neues Leben aufgebaut, lebt mit einem anderen Mann zusammen und möchte auch nicht mehr in die alten Erinnerungen Junos hineingezogen werden. Für Juno aber ist das Nachdenken über die eigene Kindheit ein wichtiger Prozess. Es dauert geraume Zeit, bis sie erkennt, dass sie zwar den Vater verloren, jedoch eine Halbschwester dazu gewonnen hat.

„Sommertöchter“ ist ein kühler Roman, der die Farben und Gerüche der Bretagne, das Licht und das Rauschen des Meeres aufnimmt, jedoch alles nur sehr gedämpft wiedergibt. Ein Roman in Moll-Tönen.
Manuela Haselberger, 2012-02-25



   Seydlitz, Lisa-Maria -
   Sommertöchter
   
    © 2012, Köln, Dumont, 208 S.,
    18.99 € (Hardcover)
    14.99 € (Kindle EBook)
   


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