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Der größere Teil der Welt
'Egan, Jennifer - Der größere Teil der Welt'

it ihren beiden Büchern „Emerald City“ und „“Look at Me“ war die Amerikanerin Jennifer Egan, geb. 1962, bereits zweimal für den National Book Award nominiert. Das Jahr 2011 brachte ihr dann den Durchbruch: ihr Roman „Der größere Teil der Welt“ wurde sie mit dem renommierten Pulitzer Preis ausgezeichnet. Nun war die Autorin auch international in aller Munde.

Es ist eine sehr fein konstruierte Geschichte, die Jennifer Egan erzählt. In dreizehn Kapiteln kommen jeweils unterschiedliche Menschen zu Wort – mit ihrem eigenen Sound, ihrer höchst individuellen Perspektive und zu ganz unterschiedlichen Zeiten in ihrem Leben. Und das Beste, für den Leser ergibt sich am Ende ein großes zeitliches Panorama, besetzt mit wenigen Hauptpersonen, eine davon ist Sasha, die Assistentin des Musikproduzenten Bennie Salazar, der sich Goldstaub auf den Kaffee streut und Insektenvernichter als Deo benutzt. Mit dabei sind eine Fülle von Nebenfiguren, wie Kinder, Eltern, Ehefrauen, Ex-Ehemänner und zahlreiche Freunde, die im Laufe eines Lebens auftauchen und wieder in der Versenkung verschwinden. Am ehesten erinnert diese Gestaltung an den ebenfalls prämierten Roman von Daniel Kehlmann „Ruhm“, doch bei Egan spielt die zeitliche Achse eine wichtigere Rolle.

Oft wird behauptet, Jennifer Egans wäre ein Punk-Roman, doch das ist zu kurz gegriffen und klingt eher abschreckend. Die Musik spielt eine verbindende Rolle in allen Kapiteln, Rock, Punk alles ist vorhanden und drückt natürlich auch das herrschende Gefühl der jeweiligen Zeit aus. Es beginnt mit der Punkszene in San Francisco, als Stachel - Halsbänder angesagt sind, mit Drogen experimentiert wird, und endet im digitalen Zeitalter in New York mit einem großen Konzert, bei dem Scotty, ein Gitarrist aus längst vergessenen Zeiten, einen Solo-Auftritt hinlegt. Seine ersten Songs, die er spielt, sind für Babys und feiern bei ihnen riesige Erfolge. Die Sprache auf den Smartphones ist verkrüppelt und stark am Baby-Kauderwelsch orientiert.

Den Auftakt des Romans übernimmt Sasha, bekennende Kleptomanin, die in einer Toilette eine herrenlose Handtasche mit einer Geldbörse findet. Soll sie das Teil mitnehmen. Oder besser liegen lassen? Sie weiß sehr genau, was ihr Therapeut sagen würde. Viele Jahre später, im zwölften Kapitel, erhält Sashas Tochter das Wort. Sie erzählt in einer äußerst gelungenen Power – Point – Präsentation mit einer Vielzahl von Folien über das Leben ihrer Familie in der Wüste. Thema: die besten Pausen der Rockgeschichte.

„Der größere Teil der Welt“ ist ein außergewöhnlicher Roman mit einer anspruchsvollen Erzähltechnik, der den Leser glänzend unterhält, jedoch seine volle Aufmerksamkeit erfordert und er gehört zu den Büchern, die man niemals ausgelesen hat, denn bei jeder neuen Lektüre sind weitere Feinheiten aufzuspüren
Manuela Haselberger, 2012-02-15



   Egan, Jennifer -
   Der größere Teil der Welt
    Originaltitel: »A Visit from the Goon Squad«, © 2011
    Übersetzt von Heide Zeltmann
    © 2012, Frankfurt, Schöffling, 392 S.,
    22.95 € (Hardcover)
   


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