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Reiches Erbe
'Leon, Donna - Reiches Erbe'
Brunettis zwanzigster Fall

s sind gleich zwei runde Jubiläen, die es für Donna Leon zu feiern gibt. Die amerikanische Autorin, die schon seit vielen Jahren in Venedig lebt und dort auch ihre Krimis um den bekannten Commissario Brunetti ansiedelt, begeht im September ihren siebzigsten Geburtstag und auch Brunetti hat allen Grund für ein Gläschen Champagner. Er ermittelt in „Reiches Erbe“ in seinem zwanzigsten Fall – und die Fans dürfen beruhigt sein, an Ruhestand denkt er noch lange nicht. Noch nicht einmal Vice-Questore Patta plagt kein solcher Gedanke.

Die Krimis von Donna Leon sind dafür bekannt, dass es bei ihr weniger um die rasante Handlung geht, als die aktuellen politischen Gegebenheiten in Venedig auf den Prüfstand zu stellen, die besondere Atmosphäre ihrer Heimatstadt einzufangen und natürlich darf auch Brunettis Familie nicht zu kurz kommen.

„Reiches Erbe“ fällt nach diesen Gesichtspunkten etwas aus dem Rahmen. Was geschieht? Eine ältere Frau, Mitte sechzig, wird in ihrer Wohnung aufgefunden. Tod durch Herzschlag, konstatiert der Arzt zunächst. Eine naheliegende Lösung, da die Tote an einer Herzkrankheit litt. Allerdings gibt es an der Leiche leichte Druckstellen, die Brunetti keine Ruhe lassen. Er beginnt das Umfeld der Dame zu befragen, stattet dem Krankenhaus, in dem sie regelmäßig den freiwilligen Besuchsdienst übernahm, eine Stippvisite ab und entdeckt, dass die Tote, die einhellig als gute Nachbarin, gute Mutter und gute Frau bezeichnet wurde, durchaus ihre Geheimnisse hatte. Immer wieder hat sie Frauen, die von ihren Männern geschlagen wurden, Schutz in ihrer Wohnung angeboten. Desweiteren hatte sie ein unumstößliches Lebensprinzip: Sie fühlte sich der Wahrheit verpflichtet. Aber darf man tatsächlich zu jedem Zeitpunkt und in jeder Situation die Wahrheit sagen? Um jeden Preis? Ist das wirklich ratsam? Constanza Bataille hat dieses Prinzip vermutlich mit dem Leben bezahlt.

Es gleich fast einem Kammerspiel, wie Brunetti in das Leben der Toten eindringt, behutsam mit ihrem Sohn und der Nachbarin ins Gespräch kommt. Immer deutlicher schält sich das Leben der Verstorbenen aus diesen spärlichen Informationen heraus. Die gesellschaftlichen Missstände in der Pflege alter Menschen, die Gewalt gegen Frauen werden zwar durchaus erwähnt, bleiben bei diesem Plot jedoch im Hintergrund. Auch Paola, Brunettis Frau, und seine Kinder sind nicht mehr als dekorative Beigabe.

„Reiches Erbe“ ist ein Krimi der leisen Töne, der genauen Beobachtung und die Geschichte einer großen tragischen Liebe, die mit normalen juristischen Vorgaben nicht zu beurteilen ist. Und erfreulicherweise hält sich Brunetti mal wieder nicht an seine Vorschriften, sondern handelt schlicht und einfach menschlich – genau das macht ihn so sympathisch.
Manuela Haselberger, 2012-05-18



   Leon, Donna -
   Reiches Erbe
    Übersetzt von Werner Schmitz
    © 2012, Zürich, Diogenes, 384 S.,
    22.90 € (Hardcover)
    10.90 € (Taschenbuch)
    € (mp3-Download)
    31.90 € (Audiobook)
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          gelesen von: Jochen STriebeck
          Dauer: 563 Minuten
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