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Liebesdienst
'Jacobson, Howard - Liebesdienst'

n seinem Roman „Die Finkler-Frage“, beschäftigte sich der englische Autor Howard Jacobson intensiv mit der Frage des Judentums und wurde dafür im Jahre 2010 mit dem renommierten „Booker-Preis“ ausgezeichnet. In seinem zweiten, jetzt auf Deutsch erschienen Roman „Liebesdienst“ geht es um das Thema Eifersucht. Jacobsons Eigenheit ist es, ein Thema bis in die allerkleinsten Untergliederungen zu verfolgen und auszuleuchten.

Felix Quinn ist eigentlich, wie sein Vorname schon sagt, ein Glücklicher. Als Antiquariats - Buchhändler in London hat er ein gesichertes Auskommen und mit Marisa an seiner Seite seine Traumfrau geheiratet. Wenn da nur der Stachel der Eifersucht nicht wäre. Schon auf der Hochzeitsreise nach Miami, als Marisa erkrankt und sie einen Arzt konsultieren muss, ist sich Felix nicht sicher, ob der Kubaner nun absichtlich oder eher unabsichtlich die Brust seiner Frau berührt hat.

Unablässig kreisen seine Gedanken darum, ob seine Ehefrau zu einem Seitensprung fähig wäre. „Kein Mann, der je eine Frau geliebt, hat sie sich nie in den Armen eines anderen vorgestellt.“ Bis er eines Tages zur Tat schreitet und mit einem Trick Marisa mit Marius bekannt macht. Alles läuft wie geplant, die beiden finden sich sehr sympathisch, lernen sich näher kennen und Marisa geht mit Marius tatsächlich eine Beziehung ein. Im Hintergrund lauert Felix fortwährend, überlegt, was bei den Treffen passieren könnte, wie weit seine Frau gehen würde. Mit nachhaltigem Drängen bringt er sie dazu, jeden Abend tatsächlich über ihre Abenteuer mit Marius zu berichten. Bis in alle Einzelheiten. Nur, es dauert lange, bis Felix erkennt: „Beim Thema Sex sagt niemand die ganze Wahrheit. Immer wird etwas hinzugefügt oder weggelassen.“ Das zunächst in der Theorie so gut vorgeplante Experiment scheitert in der Praxis; glücklich wird am Ende keiner der Beteiligten.

Mit einer großen Hingabe und Detailfreude dekliniert Howard Jacobson das Thema Eifersucht bis in die differenziertesten Regungen. Er zieht Beispiele aus der Literatur heran, streift Herodot, Cervantes und Joyce, betrachtet die Malerei unter diesem Aspekt und sein Protagonist Felix entwickelt sich immer mehr zum „Wald- und-Wiesen-Voyeur“. Faszinierend ist, mit welcher sprachlichen Vielfalt Jacobson dabei aufwartet. Er schwelgt in philosophischen Höhenflügen, ohne die obszönen Seiten der Sexualität auszulassen. Sprachlich ein grandioser Roman, seine unglaublichen gedanklichen Verästelungen erfordern jedoch etwas Geduld beim Lesen. Ein wenig erinnert „Liebesdienst“ an die großen psychologischen Romane von Henry James, ein leichter Anklang an Tolstois „Anna Karenina“ ist ebenso zu spüren. Eine Empfehlung für Leser, die sich gerne einmal von Gedankenexperimenten verzaubern lassen, oder sich auf psychologische Versuchsanordnungen einlassen möchten.
Manuela Haselberger, 2013-01-03



   Jacobson, Howard -
   Liebesdienst
    Originaltitel: »The Act of Love«, © 0000
    Übersetzt von Thomas Stegers
    © 2012, DVA, , 390 S.,
    22.99 € (Hardcover)
    10.99 € (Taschenbuch)
   


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