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Sterben - Lieben - Spielen
'Knausgård, Karl Ove - Spielen'

it "Spielen" legt der norwegische Autor Karl Ove Knausgård, geb. 1968, den dritten Teil seines umfassenden Projekts "Leben" vor, das er auf insgesamt sechs Bände angelegt hat. Er hat sich vorgenommen sein eigenes Leben bis in alle Einzelheiten zu beschreiben, ehrlich und schonungslos. Im ersten Band "Sterben" beschäftigt er sich mit dem Tod. Karl Ove und sein Bruder Yngve sind nach dem Tod des Vaters dabei, dessen Haus zu räumen und erinnern sich an die Zeit mit dem verhassten Mann. Mit diesem Buch hat Knausgård in Norwegen einen sensationellen Erfolg gelandet, wurde mehrfach dafür mit Literaturpreisen ausgezeichnet und von den Lesern geradezu verehrt. In "Lieben" geht Knausgård seiner eigenen Rolle als Vater auf den Grund und erzählt die Geschichte seiner Ehe. Der aktuell erschienene dritte Band "Spielen" widmet sich der Kindheit und dem Beginn der Geschichte der jungen Familie.

Wenn man sich auf ein Buch von Knausgård einlässt, ist das keine einfache Angelegenheit. Man kommt nicht darum herum, sich seinen Erinnerungen und seinem eigenen Leben zu stellen. Der Autor nimmt den Leser mit in die beginnenden siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Seine Familie bezieht in Südnorwegen ein neues Haus, der Vater ist Lehrer, die Mutter arbeitet als Krankenschwester. Eigentlich könnte alles wunderbar sein, doch über dem Familienleben schwebt ständig eine dunkle Wolke, die sich mit den Jahren für Karl Ove zu einer panischen Angst vor dem Vater auswächst. Seine Welt, wenn er mit den Nachbarskindern draußen spielt, ist unbekümmert und leicht, doch sobald er nach Hause kommt, das Auto des Vaters schon aus der Ferne sieht, beginnt die Angst. Der Junge darf sich auf keinen Fall verspäten, niemals Krach machen und eigentlich wünscht er sich, unsichtbar für den Vater zu sein. Das stabilisierende Element ist die Mutter, die sich um ihre Jungs kümmert, doch nicht einsieht, dass Karl Ove zum ersten Schwimmunterricht keinesfalls mit einer Badekappe gehen kann, die außen mit Blumen verziert ist. Erschütternd sind Sätze, die ganz lapidar fallen: "Großmutter war die Einzige, die Yngve und mich anfasste, die Einzige, die uns in den Arm nahm und mit der Hand über unsere Arme strich. Sie war auch die Einzige, die mit uns spielte."

Karl Ove Knausgård versenkt sich in seine Erinnerungen, er kann all die Stimmungen, Farben und Gerüche wieder lebendig werden lassen. Doch er zeigt auch ganz beiläufig, wie die junge Familie scheitert, wie alle in ihrem eigenen Kokon gefangen bleiben, ein Austausch in Gesprächen nicht stattfindet, und der Vater mit seiner Allmacht immer präsent ist und alles erstickt. Für Karl Ove ist dieser Mann völlig unberechenbar. Es gibt Schläge, er wird an den Ohren gezogen und ständig zurecht gewiesen. Nach vielen Jahren konstatiert Karl Ove: "Meinen Willen brach er, als wäre es nichts." Einzig die Welt der Bücher und der Musik bieten dem sensiblen Jungen eine Fluchtmöglichkeit, in die er sich häufig zurückzieht. Doch wie lange diese Verletzungen aus der Kindheit nachwirken, wie sie das eigene Leben in der Zukunft dominieren, wie schwierig es ist, mit diesen Belastungen zu einer selbständigen Persönlichkeit heranzuwachsen, das zeigt Knausgård in seinem großen Lebens-Projekt sehr eindrücklich.
Ein intensives Leseerlebnis.
Manuela Haselberger, 2013-12-06



   Knausgård, Karl Ove -
   Spielen
    Übersetzt von Luchterhand Literaturverl
    © 2013, , , 576 S.,
    22.99 € (Hardcover)
    10.99 € (Taschenbuch)
    18.99 € (Kindle EBook)
   


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