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Back to Blood
'Wolfe, Tom - Back to Blood'

iami ist der Mittelpunkt des neuen Romans von Tom Wolfe, der mit „Fegefeuer der Eitelkeiten“ in den 80er Jahren seinen Durchbruch feierte. Und da der amerikanische Journalist Wolfe ein Meister der akribischen Recherche ist, begleitete er wochenlang zur Vorbereitung des Romans Polizisten bei ihrer täglichen Arbeit in dieser ganz besonderen Stadt im Süden Floridas, zur Hälfte von Neu-Einwanderern bewohnt. Vielerorts ist Spanisch die vorherrschende Sprache, das Amerikanische wurde fast komplett verdrängt.

Die Hauptpersonen des Romans stammen aus Kuba, Haiti oder sind Schwarzafrikaner. Die Familie des jungen, ehrgeizigen Polizisten Nestor Camacho wanderte aus Kuba ein. Nestors ganzer Eifer gilt seiner persönlichen Fitness, Krafttraining, Hanteln, das volle Programm. Am liebsten präsentiert er stolz seinen muskulösen Körper in Kleidung, die mindestens eine Nummer zu klein ist. Nestors Kollegen finden, für die Aufgabe einen kubanischen Flüchtling festzunehmen, der sich ganz oben an den zwanzig Meter hohen Mast eines Schiffes krallt, ist Camacho genau der Richtige. Nestor löst diese Aufgabe bravourös und wird von seinen Kollegen und den Medien wie ein Held gefeiert. Mit einem hat Nestor allerdings nicht gerechnet: die gesamte kubanische Community, auch seine Eltern, Verwandten und Nachbarn beschimpfen ihn als Verräter. Seine Eltern werfen ihn aus dem Haus, seine Freundin vergnügt sich lieber mit ihrem Chef, dem Psychiater, der sich auf sexsüchtige Patienten spezialisiert hat. Sie hat wenig Verständnis für Nestors Nöte. Tom Wolfe gelingt es, das kubanische Viertel Hialeah in Miami zum Leben zu erwecken, man schlendert die Straßen mit den kleinen gleichförmigen Häusern entlang, sieht die Frauen in den gepflasterten Vorgärten, hört die Radios plärren.

Doch Wolfe geht es darum, das gesamte Spektrum Miamis auszubreiten, von ganz unten bis ganz oben. Ein anderer Schauplatz der Geschichte spielt in der Welt der russischen Milliardäre, die bei der alljährlichen Art Basel Miami ihr Vermögen in Kunst investieren möchten. Mit sezierendem Blick beschreibt Tom Wolfe das mangende Kunstverständnis, das hier mit sehr viel Geld gepaart ist.

Tom Wolfe streift durch Miami, fängt die unterschiedlichen Sprachen ein, zeigt die verschiedenen Sprachmischungen, Slangs und macht deutlich, dass „hier jeder jeden hasst“. Miami ist weit entfernt von einem friedlichen Miteinander der Kulturen. Von Multikulti kann hier keine Rede sein. Entscheidend ist immer die Herkunft des einzelnen. So ist „Back to Blood“ auch kein leiser Roman, sondern er kommt schrill und laut daher, bedient sich der Comic-Sprache und brüllt oftmals lauthals seine Botschaft heraus.
In „Fegefeuer der Eitelkeiten“ wurde New York ein Denkmal gesetzt, „Back to Blood“ leistet dies für Miami. Es ist besser als jeder Reiseführer, denn Wolfe setzt eine Stadt in Szene, wie sie ein Tourist auf diese Weise nicht zu sehen bekommt. Nicht nur als Vorbereitung für den nächsten Miami-Trip ein höchst empfehlenswerter Roman.
Manuela Haselberger, 2013-03-12



   Wolfe, Tom -
   Back to Blood
    Originaltitel: »Back to Blood«, © 0000
    Übersetzt von Wolfgang Müller
    © 2013, München, Blessing, 768 S.,
    24.99 € (Hardcover)
    11.99 € (Taschenbuch)
    € (mp3-Download)
    34.95 € (Audiobook)
    19.99 € (Kindle EBook)
   


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          gelesen von: Frank Arnold
          Dauer: 1410 Minuten
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