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Schrottplatz der gebrochenen Herzen
'Powell, Padgett - Schrottplatz der gebrochenen Herzen'

s sind richtig schräge Vögel, die der amerikanische Autor Padgett Powell in seinem Erzählungsband "Schrottplatz der gebrochenen Herzen" versammelt hat. Übrigens, der Titel ist schon richtig gut gelungen und viel besser als im amerikanischen Original: "Aliens of Affection." Noch dazu ist mit Harry Rowohlt ein Übersetzer am Werk, der für den Sound der Loser, Außenseiter das richtige deutsche Pendant findet.

In der ersten Geschichte "Gib mir Süßes, sonst gibt's Saures" umkreisen ein frecher zwölfjähriger Junge, gerade am Beginn der Pubertät, und eine höchst gelangweilte Ehefrau und Mutter einander, machen sich gegenseitig spielerisch Avancen und wissen beide selbst nicht so recht, wohin diese aufgeladene schwüle Atmosphäre des Südens sie hinführen wird. Der Junge ahnt nur ansatzweise, was mit dem Aufdruck "just blow me" auf der Rückseite seines Shirts gemeint ist. Und als er eines Tages mit einem geklauten Rasenmäher vor Mrs. Hollingsworths Haus steht, kommen die Dinge ins Rollen. "Mrs. Hollingsworth hatte drei Kinder, eines war älter als ihr Verehrer, war seit fünfzehn Jahren glücklich verheiratet, eine gute Mutter und Ehefrau und darüber fuchsteufelswild."

In einer anderen Erzählung träumt ein Mann, der in seinem heruntergekommenen Wohnwagen liegt und einen schweren Unfall hatte, weil er mit einem Lastwagen zusammenstieß, was er mit seiner Schadensersatzzahlung von 250 Millionen Dollar unternehmen wird. Dem Leser ist schnell klar, dass Mr. Scarliotti viel zu krank ist, die linke Hand funktioniert nicht mehr und eine Kopfhälfte fehlt beinahe ganz, um sich jemals an dem Geld zu erfreuen.

Der Ton, in dem Padgett Powell, der bereits für den National Book Award nominiert war, seine Storys erzählt ist rotzig, unangepasst, komisch und die Dialoge enden oft völlig surreal. Es kann schon passieren, dass ein Satz ein völlig unverhofftes Ende nimmt und der Leser stolpert und die Zeile nochmals liest. Powell kriecht in die Köpfe der Säufer, vom Leben ausgespuckten Gestalten, die arbeitslos sind, in der Gegend herumfahren, nachdem sie ihre Familie verlassen haben, und einen neuen Job wie der Dachdecker Wayne suchen. "Wieso sahen Ehen und Kinder vorher so rattenscharf verlockend aus und, wenn man sie hatte, wie der hinterletzte Kackeklumpen?"

Bei Padgett Powell kann es durchaus geschehen, dass ein erwachsener Mann das Dreirad des Jungen aus der Nachbarschaft klaut und damit eine imaginäre Parade auf der Straße abfährt. Allein wie Powell den schlichten Satz: - "Sehr oft, jeden Tag, immer wieder, jeden Tag gehe ich hinunter an den Kai" - absolut gekonnt auseinandernimmt, variiert, damit spielt, das ist einfach klasse. Wer Spaß an diesen schrägen Erzählungen hat, der sollte auch unbedingt zu seinem Buch "Roman in Fragen" greifen. Es sind tatsächlich einzig und allein Fragen in diesem Buch versammelt, doch der Prozess, der im Leser bei der Lektüre in Gang gebracht wird, ist unglaublich.
Manuela Haselberger, 2013-11-12



   Powell, Padgett -
   Schrottplatz der gebrochenen Herzen
    Originaltitel: »Aliens of Affection«, © 0000
   
    © 2013, Berlin, Berlin Verlag, 302 S.,
    19.99 € (Hardcover)
    15.99 € (Kindle EBook)
   


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