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Der Dreyfus- Prozess
'Harris, Robert - Intrige'

er Name Alfred Dreyfus ist bis heute geläufig und wer dazu nähere Informationen möchte, schlägt schnell im Lexikon oder bei Wikipedia nach, um sich rasch über einen der größten politischen Skandale der Geschichte zu informieren. Wer jedoch mehr wissen will, wer die abgefeimten Winkelzüge der Macht nachvollziehen möchte und wen die Hintergründe dieser Vorgänge beschäftigen, der greift zum neuen Roman "Intrige" des Engländers Robert Harris. Und der Leser hat dabei den Vorteil, er bekommt nicht nur einen hervorragend recherchierten historischen Roman, sondern auch einen spannenden Politthriller, der sich nur schwer zur Seite legen lässt.

Der Erzähler der Ereignisse in Frankreich im Januar 1895 ist Major Picquart, der als stiller Beobachter im Dreyfus- Prozess fungiert. Als Dank für seine Arbeit wird er, nachdem Dreyfus zu lebenslänglicher Haft und Deportation verurteilt wurde, zum neuen Leiter der Geheimdienst-Abteilung befördert. Nicht nur, dass Picquart innerhalb kurzer Zeit einen Spion in den eigenen Reihen des Militärs entdeckt, es gelingt ihm ohne große Anstrengung nachzuweisen, dass Dreyfus unschuldig ist. Eine simple Schriftprobe kann dies beweisen. Doch Picquart hat nicht mit dem Widerstand des gesamten militärischen Apparats gerechnet, der auf keine Fall zugeben will, dass der große Prozess gegen den Juden Dreyfus schlampig geführt worden ist. Geschickt nutzt die Gegenseite die antisemitische Stimmung, die schon damals die öffentliche Meinung in Frankreich bestimmt. Auch alle Gespräche, Observationen, die Picquart während seiner Ermittlungen führt, werden, zur Not sogar mit Fälschungen, in ihr Gegenteil verkehrt. Picquart selbst wird nach Afrika strafversetzt und ein Verfahren wird gegen ihn eingeleitet. Dass der Schriftsteller Zola auf seiner Seite steht, ihn mit seiner Schrift "J'accuse" unterstützt und dafür bei Nacht und Nebel aus Frankreich fliehen muss, zeigt keine Wirkung.

Es ist ungemein spannend die Arbeit des Geheimdienstes zu verfolgen, mit welchen Methoden Dokumente kopiert und im Zweifel gefälscht werden, wie Wohnungen observiert und abgehört wurden und gerade heute im Zuge der NSA- Überwachung sehr interessant, die Kinderschuhe der Spionage zu verfolgen. Eine Putzfrau entpuppt sich beispielsweise als wichtigste Informantin des französischen Geheimdienstes. Atemlos liest man die listigen Winkelzüge der Anwälte, deren sich das Militär ohne Skrupel bedient, um das offensichtliche Fehl-Urteil an Dreyfus zu rechtfertigen. Robert Harris hält sich dabei sehr genau an die historischen Fakten und auch seine handelnden Personen sind authentisch. Picquarts Beziehungen zu Frauen, er hat ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau, werden gnadenlos in den Medien ausgeschlachtet und wenn Personen bereit sind zugunsten von Picquart und seinen Anhängern auszusagen schreckt der Geheimdienst auch vor Mord nicht zurück.

"Intrige" ist ein historischer Roman, der sich mit Gewinn auch in den gegenwärtigen Verhältnissen lesen lässt, denn die Methoden der Geheimdienste sind zwar technisch ausgereifter und subtiler geworden, doch wie Erkenntnisse heute verwendet werden, bleibt nach wie vor heftig umstritten.
Manuela Haselberger, 2013-11-05



   Harris, Robert -
   Intrige
    Originaltitel: »An Officer and a Spy«, © 2013
   
    © 2013, München, Heyne, 624 S.,
    22.99 € (Hardcover)
    10.99 € (Taschenbuch)
    € (mp3-Download)
    19.99 € (Audiobook)
    18.99 € (Kindle EBook)
   


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          gelesen von: Hannes Jaenicke
          Dauer: 983 Minuten
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