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London NW
'Smith, Zadie - London NW'

er Titel "London NW" steht für den nordwestlichen Teil Londons. Hier verirren sich selten Touristen mit ihren Fotoapparaten hin, an diesem Ort wird die multikulturelle Gesellschaft seit Jahren täglich gelebt. Die Autorin Zadie Smith, die selbst im Norden Londons 1975 zur Welt kam und bis heute mit ihrer Familie dort lebt, erzählt in ihrem Roman, der von der New York Times zu einem der "zehn besten Bücher des Jahres" gewählt wurde, das Leben der beiden Freundinnen Natalie und Leah, sowie von Felix und Nathan. Alle stammen sie aus der Hochhaus-Siedlung in Caldwell und haben den großen Wunsch diesem ärmlichen Viertel für immer zu entkommen.

Das Besondere an "London NW" ist die Erzähltechnik. Zadie Smith kriecht in ihre Figuren hinein, zumindest wenn sie das Leben von Leah erzählt. Sie bringt ihre Gedankenströme zu Papier, berichtet wie mit einer Kamera, wenn sie durch die Straßen läuft, und es kann passieren, dass die Sätze mittendrin abbrechen. Leah ist fünfunddreißig, weiß, arbeitet in einem Gemeindebüro und mit Michel, einem Franzosen verheiratet, dessen Familie aus Algerien stammt. An den Wochenenden sind sie regelmäßig bei Natalie und ihrem Mann eingeladen. Natalie arbeitet als Rechtsanwältin und scheint es geschafft zu haben. Ihr Mann ist Banker und das stattliche Haus, die beiden Kinder lassen oberflächlich betrachtet keine Wünsche offen. Leah und Michel können nur wenig mit dem Party- Small- Talk anfangen, allerdings sind sie schon ein wenig neidisch, wie weit es ihre Freunde gebracht haben. Leahs Leben gerät aus der Bahn, als sie von einer jungen Frau an der eigenen Haustür um Geld betrogen wird.

In einem Einschub erzählt Zadie Smith die Geschichte von Felix, der als Automechaniker arbeitet, in Drogengeschichten verwickelt ist und am Ende, gerade als er meint, sein Leben endlich ansatzweise in den Griff zu bekommen, ermordet wird.

Der dritte Teil der Geschichte wirft einen Blick in die Vergangenheit und beschreibt das Heranwachsen von Natalie und Leah. Wie sie durch einen Badeunfall Freundinnen werden und versuchen, mit Schule und Ausbildung ihre Herkunft hinter sich zu lassen. Natalie kann zwar ihre dunkle Hautfarbe nicht ändern, doch sie legt ihren ursprünglichen Namen Keisha für immer ab. Aber so einfach wie geplant geht es nicht, auch nicht mit Studium und beruflichem Erfolg.

Am Ende führt Zadie Smith die einzelnen Erzählstränge in einer lockeren Verbindung zusammen. Nathan, der Loser kommt ins Spiel, der junge Mann, der schon immer auf der Straße gelebt hat und sich nie aus seinem Viertel fortbewegt hat.

"London NW" erfordert zu Beginn der Lektüre, dass man sich Zeit nimmt, sich auf den Stil der Autorin einlässt und beispielsweise dem inneren Monolog von Leah folgt. Am Ende gewinnt man ein Zeitpanorama der letzten dreißig bis vierzig Jahre eines einzigen Londoner Stadtteils, der exemplarisch für eine gesamte gesellschaftliche Entwicklung steht.
Manuela Haselberger, 2014-02-14



   Smith, Zadie -
   London NW
    Originaltitel: »NW [English] «, © 2013
    Übersetzt von Tanja Handels
    © 2014, , Kiepenheuer und Witsch, 432 S.,
    22.99 € (Hardcover)
    9.99 € (Taschenbuch)
    19.99 € (Kindle EBook)
   


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