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Der Gang vor die Hunde
'Kästner, Erich - Der Gang vor die Hunde'

er Roman "Fabian" von Erich Kästner ist weltberühmt. Dass der Autor 1931 jedoch seinem Manuskript ursprünglich den prägnanten Titel "Der Gang vor die Hunde" gab und dass die Urfassung am Ende ganz entschieden gekürzt und bearbeitet wurde, war bis heute nur in Fachkreisen bekannt. Der Germanist und Publizist Sven Hanuschek, der Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München lehrt, ist ein ausgewiesener Kästner-Kenner. Von ihm stammt die Biografie "Keiner blickt dir hinter das Gesicht" (1999), eine Monografie zur Einführung (2004) und im Atrium Verlag gab er 2003 unter dem Titel "Dieses Na Ja!, wenn man das nicht hätte! die Briefe Erich Kästners heraus.

Nun hat er den "Fabian" komplett entstaubt, die zensierten Stellen, die das damalige Lektorat strich wieder eingefügt und den Roman unter seinem ursprünglichen Titel veröffentlicht. Zu lesen gibt es nun die Urfassung, die sich im Nachlass Kästners fand. Und das Buch ist kein bisschen von gestern oder in die Jahre gekommen. Sven Hanuschek hat auch alle drei Nachworte von Kästner am Schluss des Romans wieder eingefügt, die während der letzten Ausgaben immer wieder herausgenommen worden waren.

Jedes Kapitel beginnt, wie von Kästner gewohnt, mit einer kurzen stichwortartigen Inhaltsangabe. Der Roman spielt in Berlin in den frühen dreißiger Jahren des vergangen Jahrhunderts. Die Weimarer Republik wird deutlich von der nationalsozialistischen Bewegung belastet. Es herrscht hohe Arbeitslosigkeit und die Stadt scheint an einem Fieber zu leiden. Jakob Fabian, ein herzkranker Germanist, der gerade seinen Arbeitsplatz als Reklame-Fachmann verloren hat, streift mit seinem Freund Labude durch die nächtliche Stadt. Sie ziehen durch die Freudenhäuser, trinken eine Menge, schließen sich Kunstfreunden an und sind bei Atelier-Partys dabei. Allein den Dialogen der beiden zu lauschen, wenn sie sich über ihre Mitmenschen in der Straßenbahn lustig machen, ist ein Genuss.

Da ist oberflächlich keine Spur von Traurigkeit zu spüren, das nächtliche Berlin bebt, doch die innere Einsamkeit scheint unüberwindlich. Wie es dann dazu kommt, dass sich der beste Freund das Leben nimmt, Fabian selbst arbeitslos wird, das ist zwar als Satire geschrieben, hält doch in der Übertreibung und im sarkastischen Ton dem damaligen Berlin den Spiegel vor. Ja, es ist tatsächlich ein Zerrspiegel, doch oft zeigen sich in der Übertreibung die falschen Entwicklungen mehr als deutlich. Und 1931 konstatiert Kästner: "Europa hatte große Pause. Die Lehrer waren fort. Der Stundenplan war verschwunden. Der alte Kontinent würde das Ziel der Klasse nicht erreichen. Das Ziel keiner Klasse!"

Man sollte den alten "Fabian" im neuen Gewand in die Hand nehmen und sich an den pointierten, herrlich frechen Sätzen Kästners wieder einmal freuen. "Was nützt das göttliche System, wenn der Mensch ein Schwein ist?" Oder auch Fabian über ein Gespräch mit Labude: "Man war ein Chirurg, der die eigene Seele aufschnitt."
Manuela Haselberger, 2012-10-29



   Kästner, Erich -
   Der Gang vor die Hunde
   
    © 2013, , Atrium Verlag, 320 S.,
    22.95 € (Hardcover)
    29.99 € (Audiobook)
    18.99 € (Kindle EBook)
   


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