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Jesus kam bis ...
'Andreas Englisch - Der stille Gott der Wölfe'
Vatikan-Thriller

aroline drückte die Zigarette in den Fischresten aus. "Ich habe eine viel bessere Idee. Du besorgst den Schluss. Die Geschichte ist so gut, dass sie ein Bestseller werden kann.”

Nicht wenig selbstbewusst lässt der Schriftsteller Andreas Englisch in seinem Buch - Der stille Gott der Wölfe - seine Protagonisten diesen Dialog wechseln.

Zu welcher Geschichte soll Sebastian Schäfer, ein abgerissener Wissenschaftsjournalist, Spezialist für die Antike und Reiseführerschriftsteller einen Schluss finden ?

Seiner Dialogpartnerin, der erfolgreichen Journalistin Caroline Robert, waren in Rom in einem Kloster durch Zufall Negative eines Papyrus aus dem ersten Jahrhundert nach Christus in die Hände gefallen.
Sie heuert ihren Exmann an, damit er die Papyri übersetzt.
Ziemlich schnell begreift dieser, dass das autobiographische Dokument des antiken Schriftstellers Flavius Plancus Auskünfte über die ersten Christen in Rom gibt. Die explosivste Zeile darin besagt, dass Jesus Christus nicht gekreuzigt worden ist.

Zielsicher, mit schnellen Hammerschlägen treibt Englisch seine Geschichte voran. Keine Langatmigkeiten, sondern nur ein gelegentliches Verweilen bei Details wie beispielsweise einem typischen Fahrkartenverkaüfer am Bahnhof Termini.
Immer im Wechsel mit der Handlung im 20. Jahrhundert entblättert der Autor dem Leser Stück um Stück die Übersetzung des antiken Papyrus aus dem verschütteten Herkulaneum. Gerade diese Passagen sind Englisch wunderschön gelungen, da er den Flair der antiken Lebensweise und die Beschaulichkeit eines müden, reichen, alten Patriziers gekonnt einfängt.

Für die Spannung 1900 Jahre danach sorgt die Figur eines römischen Curien-Kardinals, der mit (fast) allen Mitteln versucht, die weitere (entscheidende) Veröffentlichung der Buchrollen zu verhindern. Eine Publikation würde möglicherweise die Grundfesten der christlichen Glaubenswelt erschüttern. Jesus Christus - nicht gestorben am Kreuz, sondern auf eine Insel verbannt.

Wie kann Gott das Auftauchen einer derartigen Schrift zulassen. Warum hilft er seiner heiligen Kirche nicht. Sorgenvolle Gedanken, die die Karriere des Kirchenmannes schon zeitlebens begleiteten.

Rund drei Viertel des Romans sind außerordentlich gut gelungen, bis der Autor selbst den eingangs zitierten Dialog verfasst. Ein zum Vorhergehenden angemessener Schluss ist ihm nicht eingefallen. Sein Ende der Geschichte bietet viel zu wenig Raum für Spekulationen, weder Atheisten noch Gläubige können sich an ihm reiben, so dass auch sein Epilog diesen Patzer nicht beseitigt.
Vielleicht müssen die Leser auf das im Buch angekündigte Buch der Journalistin Caroline warten, in welchem sie die ganze Geschichte vorlegen wird, vielleicht fällt ihr dabei ein Schluss mit mehr Mystik ein. Zum Beispiel über Syrus, das Vieh, den christlichen Sklaven, der dem antiken Autor Flavius Plancus ans Leben will, um eine Publikation über den lebenden Jesus zu verhindern.
Bis dahin aber begnügen wir uns sehr gerne mit dem Roman von Andreas Englisch, dem Herbert Rosendorfer im Klappentext eine wunderbare Widmung zukommen lässt.
Manuela Haselberger, 1995-09-15



   Andreas Englisch -
   Der stille Gott der Wölfe
   
    © 1995, Stuttgart, Weitbrecht, 367 S.,
    0.00 € (Audiobook)
    4.99 € (Kindle EBook)
   


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© 1995-09-15

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