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Ist sie sooo ?
'Mackintosh, Anneliese - So bin ich nicht'
Gretas Storys

ie junge englische Autorin Anneliese Mackintosh macht es gleich im Titel deutlich: Nein, sie, Anneliese ist nicht mit ihrer Hauptfigur Gretchen gleichzusetzten. Und noch deutlicher: Im Untertitel nennt sie ihr Buch "Gretas Storys". Und als Vorbemerkung findet der neugierige Leser den Hinweis: "1. 68 % sind wirklich passiert. 2. 32 % sind es nicht. 3. Ich werde es nie verraten."

Eigentlich ist es auch völlig gleichgültig, was denn nun erfunden ist und was nicht. Fakt ist, Anneliese Mackintosh erzählt, dass einem der Atem stockt. "So bin ich nicht" ist ihr erstes Buch auf Deutsch und war 2014 unter den Best Books in The Guardian, The Herald und The Scotsman und gewann den Green Carnation Prize.

Der rote Faden der Erzählungen bildet das Leben, genauer, die Jugend von Greta, in nicht chronologischer Reihenfolge erzählt und der lange, sehr schmerzvolle Weg zu ihrem Erwachsenwerden. Sie probiert alles aus, Alkohol, Drogen, Frauen, Männer, immer auf der Suche nach sich selbst, der Liebe, nach irgendeinem Halt im Leben. Herbe Einschnitte sind die Krankheit des Vaters und sein Tod, der Greta immer wieder aufs Neue beschäftigt. Dazu schreibt sie ihren Ratgeber "Trauern für Anfänger". Dann folgt der Selbstmordversuch ihrer Schwester, ihre eigene psychische Erkrankung und ihr schwerer Alkoholismus. Jede Menge Baustellen, die Greta auf Trab halten, sie neurotisch werden lassen, so dass sie nicht zur Ruhe kommt. Sie geht unter Menschen, sucht sich Freunde "und jede Begegnung ist eine Gelegenheit, sich selbst neu zu erfinden." Am schlimmsten und härtesten ist sicher die Story, als sie an Weihnachten mit ihrer Freundin zusammen von mehreren Jungs vergewaltigt wird und danach ihrer Familie, die mit Verwandten Weihnachten feiert, kein Sterbenswort von den Vorfällen erzählt.

Doch Greta hat auch eine wunderbare Möglichkeit gefunden ihre Erinnerungen zu bewahren. Davon erzählt sie in "Ich verdanke Google Maps mein Leben". Immer wieder geht sie auf der Karte von Google zu ihrem einstigen Zuhause zurück. Als das Haus fotografiert wurde, war ihr Vater noch am Leben, die Autos der Eltern waren geparkt und es hatten die schlimmen Dinge in ihrem Leben einfach noch nicht stattgefunden. Ein tröstlicher Platz, der sich immer wieder aufsuchen lässt. Ganz am Ende, mit der letzten Geschichte, träumt sie sich eine Tochter herbei, der sie eine wunderbare Kindheit und Jugend bieten möchte und doch wieder zu scheitern beginnt. Es sind keine "Heile-Welt-Storys", die Anneliese Mackintosh erzählt, hier schlägt die Realität gnadenlos zu und sie zieht alle Register, um dem Leben Paroli zu bieten.
Manuela Haselberger, 2016-04-25



   Mackintosh, Anneliese -
   So bin ich nicht
    Originaltitel: »Any Other Mouth«, © 2014
    Übersetzt von Schröder, Gesine
    © 2016, Berlin, Aufbau Verlag, 256 S.,
    19.95 € (Hardcover)
    14.99 € (Kindle EBook)
   


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by Manuela Haselberger
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