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Die Wahrheit über Trump
'D'Antonio Michael - Die Wahrheit über Donald Trump'

h mein Gott, möchte man aufstöhnen angesichts 544 Seiten Biografie über einen Mann für dessen Erfolg man sich nichts sehnlicher wünschen sollte als "make mankind great again !", um diesen Irrtum zu korrigieren.
Doch die Hoffnung erfüllte sich nicht - ab 20. Januar 2017 wird dieser Mann Geschichte schreiben, der eher mit drei Goldenen Löffeln als nur einem im Hals geboren wurde und Dank der Risikobereitschaft seines Großvaters, der als Frisörlehrling 1885 aus Deutschland einwanderte, um nach einigen Jahren des Ausprobierens dann in Seattle eine Kneipe mit angeschlossenem Hinterzimmer, das "warme Mahlzeiten und Prostituierte im Séparée anbot", in welchem die Mädels für den Umsatz sorgten, zu gründen.

Ähnlich wie der Jeansproduzent Levis folgte Opa Trumph (das "h" verlor sich später) dem Ruf des Goldes nach Alaska, genauer ins kanadische Whitehorse, und verdiente ohne selbst in der Kälte nach dem gelben Edelmetall graben zu müssen mit demselben Geschäftsmodell wie in Seattle sein erstes größeres Investmentkapital.

Friedrich Trump(h) Senior kehrte zurück in die Zivilisation, kaufte Immobilien und bestellte sich aus Deutschland eine Braut mit der er Fred sen., den Vater von Donald, zeugte.

Die einen sagen so, die anderen so: Vermutlich soff sich der Opa 1918 zu Tode und hinterließ dem 13 jährigen Sohn ein angefangenes Etwas, das das Zeug zu einem Imperium hatte. Und der kleine Frederick biss sich durch, erst machte er eine Lehre und dann wandte er an, was der Alte ihm beigebracht hatte - und erkämpfte sich trotz Weltwirtschaftskrisen und Weltkrieg seine Stellung als Immobilienmogul.

Und was reiche Menschen immer schon verstanden haben: Nicht Geld und Besitz sind die wahren Vermögen, sondern Nachkommen.
Und mehr als einen, zeigt sich auch in diesem Fall, in der Pipeline zu haben, war auch für Donalds Vater ein Gewinn. Donalds älterer Bruder Fred jun., 1937 geboren, nämlich zog es vor Airlinepilot zu werden, war damit zufrieden und handelte sich lebenslangen väterlichen Spott und Tadel wegen dieser beruflichen Laufbahn ein. Zuletzt folgte er dem großväterlichen Beispiel, soff als Kapitän eines Fischerbootes mehr als sein Herz vertragen konnte und starb 1981. Donald, als dritter 1946 geboren, sagte über seinen Bruder: "Freddy, war kein Killer." Wohl eher ein Trottel, und letzteres wollte er niemals sein.

Doch einen gab es in der Familie, der Biss hatte, das war Donald - er lernte all die Tricks, die man braucht, um im Immobilien- und Baugeschäft erfolgreich zu sein. Und wenn jetzt alle nach der Wahl behaupten, dass mit Donald Trump jemand ins Weiße Haus einzieht, der keine Ahnung im Politgeschäft hat, der täuscht sich gewaltig: Wer im Baugeschäft in einem Haifischbecken wie New York Erfolg haben will, der kennt viele Politiker und weiß auch ganz genau, welche Knöpfe zu drücken sind, um zu bekommen, was er haben will.
Und selbst in seiner Biografie macht er persönlich keinen Hehl daraus, welche Allianzen geschmiedet, wer mit Geld und Ämtern gewogen gemacht wird und wie man andere ausbootet und ruiniert.

Auch erfährt man, das Trump keineswegs immer DER tolle Geschäftsmann war, aber das wiederum inhaltlich leider so gefiltert, dass weder die ruinierten Kontrahenten noch die mehrfach in die Insolvenz getriebenen Partner in diesem Buch eine Plattform finden.

Nein Trump ist seiner Meinung nach nur eines: ERFOLGREICH und deswegen ist GOLD seine Lieblingsfarbe und kündet von seiner Großartigkeit, die er "Marke" zu nennen pflegt. Deshalb lässt er Flugzeug, Wolkenkratzer und Casinos eifrig damit anpinseln, was auch immer er sich davon verspricht.

Manchmal kommt er nicht frauenfreundlich, sondern eher picklig pubertär als Voyeur daher: "Drogen und Orgien waren [im Club 54] an der Tagesordnung, wie Trump sich in einem Gespräch mit dem Schriftsteller Timothy O’Brien erinnerte: »Ich konnte zusehen, wie Supermodels genagelt wurden, sehr bekannte Supermodels genagelt wurden, auf einer Bank in der Mitte des Raumes. Es waren sieben von ihnen, und jede wurde von einem anderen Typen genagelt, mitten im Raum.« ". Immerhin machte er sich die Mühe sie zu zählen.

Was er so sagt, ist im Wahlkampf 2015-2016 ausführlich berichtet und kommentiert worden. Doch sein Biograph D´Antonio belegt doch ein paar außergewöhnliche Schlüsselsätze, die vielleicht zum Verstehen dieses Menschen beitragen, der ja nun doch die fatale Chance von zig Millionen meist eher abgehängten Wählern bekommen hat, das Schicksal von Milliarden zu bestimmen.

»Wenn jemand etwas gegen mich unternimmt, ist er für mich gestorben. Es ist vorbei. Es gibt kein Zurück. Das ist okay. Es gibt Milliarden von Menschen auf der Welt. Du brauchst sie nicht.« zeigt schon einmal drastisch, was er vom Rest der Welt so im Allgemeinen denkt.

Seine Fersenbeinsporne verhinderten in den 60ern, dass er sich wie andere junge Männer in seinem Alter am amerikanischen Abenteuer in Vietnam engagieren hätte müssen. Er galt als untauglich. Doch war Donald Trump kein Drückeberger, nein, sein Vater ließ ihn an einer Miltärakademie in New York ausbilden. "Donald Trump, Absolvent einer Militärschule, der penibel die Verzierungen seiner Uniform poliert hatte, besaß einen hervorragenden Instinkt, wenn es um sein Image ging." Das war das Mindeste, was man ihm beigebracht hatte.

»Ich trainierte sie in Baseball und Football und ich brachte ihnen bei, dass Gewinnen nicht das Wichtigste ist, sondern das Einzige«, fügte Dobias [einer seiner Ausbilder] hinzu, in Anlehnung an einen Spruch von Vince Lombardi, den Profi-Footballtrainer, der Mitte des Jahrhunderts zum Inbegriff der Mannhaftigkeit wurde. »Donald fuhr darauf regelrecht ab. Er sagte seinen Mitspielern immer: ›Wir sind nur zu einem Zweck hier. Um zu gewinnen.‹ Er musste immer und überall die Nummer eins sein. Er war schon damals ein Intrigant. Eine furchtbare Nervensäge. Er hätte alles getan, um zu gewinnen.« Als Dobias einen Jungen voller Sehnsüchte und Ehrgeiz beschrieb, sagte er, Trump »wollte einfach der Erste sein, in allem, und er wollte, dass die Leute auch wussten, dass er der Erste war«.
Auch dies ein weiterer zentraler Satz zum Verständnis von Trumps Charakter, den D´Antonio hier zitiert. Ein Mann, der Ehrgeiz zum Beruf gemacht hat, und im Übrigen einen Hang dazu hat, das Vergangene in einem weit besseren Licht darzustellen als es in Wirklichkeit war, und insbesondere die eigene Rolle dabei ordentlich zu überhöhen. So ist Trump in Wahrheit vor seiner Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten weit weniger reich als er selber andere darüber mutmaßen ließ und bedenkt man, dass er die letzten eineinhalb Jahrzehnte nach eigener Angabe KEINE Steuern zahlen mußte, scheint er ja wirklich beinahe ein Fall für die TAFEL gewesen zu sein.

Aber immerhin hat Donald ein Studium absolviert, was seine Frau Melania in der Heimat nach ersten Lebensläufen angeblich ebenfalls und letztlich späteren Angaben zu Folge wohl doch nicht getan hat. "Ihre Tätigkeit als Model war nur eines von vielen Elementen ihres Lebens, das ihr nicht einmal besonders wichtig war. »Das ist nur ein Job für mich, keine Karriere« ." Wohl wahr, die netten Bildchen von ihr auf dem Kunstbärenfellteppich waren ganz sicher nicht das nachahmenswerte Erfolgsmodell wie man zur First Lady von 330 Millionen Mitbürgern aufsteigt. Aber gleichwohl, schmälern wir auch diese Karriere nicht mehr als nötig: Die Voraussetzung wenigstens zuvor Amerikanerin geworden zu sein, hat sie letztlich wohl vorab erflüllt.

»Der Mensch ist das grausamste Tier von allen, und das Leben ist eine Reihe von Schlachten, die mit Sieg oder Niederlage enden«, sagte er zu ihr. »Man darf auf keinen Fall zulassen, dass die Leute aus einem einen Trottel machen.«
Auch solche Sätze stammen von Donald Trump, die nachdenklich stimmen angesichts der vielen Äußerungen während seines Präsidentschaftswahlkampfs. Er sollte es eigentlich besser wissen.

Zum Trottel hat er sich möglicherweise mit seiner TV-Show "The Apprentice" und im Wahlkampf gemacht, aber dumm scheint er nicht zu sein, bemüht man ein Zitat mit der er seinen wirtschaftlichen Erfolg als Herr über mehrere Casinos beschreibt: »Für mich ist ein Spieler jemand, der Münzen in die Automaten wirft. Ich besitze lieber die Automaten. Es ist ein sehr gutes Geschäft, selbst die Bank zu sein.« Und das scheint er sich wohl auch über den Job des Präsidenten gedacht zu haben, besser, man macht das selbst - endlich einer, der das Prinzip des Selfmademans auf die Spitze getrieben hat.

Und dass er kein Trottel ist, bewies er oft genug. D´Antonio beschreibt eine Begebenheit um die Sanierung 1986 der beliebten Eisbahn im Central Park. Angesichts leerer Kassen sah sich New Yorks Bürgermeister Koch außer Stande das zu stemmen. Trump bot sich an zu sanieren und später die Bahn zu betreiben. Koch nahm an, versagte ihm aber gleichzeitig den späteren Betrieb in Eigenregie, da er die Eintrittspreise gering halten wollte. Trump aber sattelte noch einen drauf und setzte einen hohen Beamten der Stadtverwaltung namens Gliedman als Kontrolleur des Projekts ein, der ihm Jahre zuvor einen Steuernachlass für den Trump Tower verweigert hatte.

"Wie man am Beispiel von Gliedman sehen konnte, hatte Trump ein gutes Gespür für Talente und stellte gern Leute ein, die ihre Fähigkeiten dadurch unter Beweis gestellt hatten, dass sie ihm Paroli boten. In seinem Unternehmen wurden sie anständig bezahlt, und ihre selbständigen Gestaltungsspielräume waren so groß wie der Druck, den er auf sie ausübte. Der Erfolg hing, zumindest teilweise, von ihrer Zielstrebigkeit und ihrer Tatkraft ab, die dem Chef Respekt abverlangten. So erzählte zum Beispiel Louise Sunshine dem Journalisten Harry Berkowitz von der Washington Post: »Er findet begabte Menschen, und er holt das Beste aus ihnen heraus – und auch das Schlechteste. Man hat nur noch ein Ziel vor Augen. Dein restliches Leben rückt in den Hintergrund. Er vereinnahmt dich voll und ganz.«
Obwohl viele New Yorker Donald Trump die Renovierung der Wollman-Eisbahn hoch anrechneten, lehnte Bürgermeister Koch sein Ansinnen ab, die Anlage nach ihm zu benennen. Diese Entscheidung war zum Teil auf das miserable Verhältnis zwischen den beiden Männern zurückzuführen."

Auch dies eine Facette an einem Mann, von dem sich derzeit die anderen Entscheider der Menschheit verdutzt die Augen reiben und fragen, was ist denn das für Mensch, mit dem wir es da künftig zu tun haben werden. Offenbar jemand der weiß, was er tun muss, um andere dazu zu bringen das zu tun, was er will.

Trotzdem - mal ehrlich, mit einer ordentlichen Spur von Überheblichkeit formuliert, wer von uns möchte von einem Mann regiert werden, dessen Opa ein Frisörlehrling war, der sein Vermögen auf dem Rücken irgendwelcher hoffnungsfroh eingewanderten jungen Mädchen erwirtschaftete, dessen Vater Fred ebenfalls ein sehr "eingebildeter" Mensch war und der mit Bestechung und Schmiergeld erfolgreich das väterliche Erbe mehrte.
Denken Sie daran bei ihrem nächsten Frisörbesuch ... geben Sie dem Mann ein ordentliches Trinkgeld, damit er seinem Beruf treu bleibt und geben Sie ihm aufgrund seiner besserwisserischen Meinung keinesfalls das Gefühl, dass er und seinesgleichen irgendwann einmal zu Höherem berufen seien, denn was DARAUS wird, das erleben wir gemeinsam mindestens die kommenden vier Jahre - Make America great again. Zumindest die Börsianer scheinen neben all den Millionen Wählern schon vor Weihnachten 2016 an dieses Märchen vom Nikolaus zu glauben, auch wenn dieser Nikolaus keine Zipfelmütze trägt, sondern der Abstammung entsprechend eine mit niemals umweltschädigendem Haarspray aus der Dose gezauberte Helmfrisur, die je nach Anlass, unter einer - gleichfalls bei amazon erwerbbaren - Basecap mit goldener Lorbeerverzierung auf dem Schild und goldenem Motto bestickt steckt.

Sicher wie alles was Trump in Szene setzt, eine Nummer zu großspurig, so kommt auch die Biografie von d´Antonio um die Ecke. Trump hatte gebauchpinselt seinen Biographen selbst zu geschäftlichen Meetings mitgenommen und garantiert maximalen Einfluss auf das, was hier biographiert wird, genommen. Und doch ist es angesichts der künftigen Position des Mannes die zähe Mühe wert, sich durch das Buch zu lesen, weil man das Bild eines Mannes bekommt, der durch seine Eitelkeit schwer zu fassen ist. "Die Moral von der Geschicht" steht noch offen. Und trotz gegenteiliger Befürchtungen, wollen wir zunächst mal hoffen, dass sie ausnahmsweise gut enden möge
Thomas Haselberger, 2016-11-18



   D'Antonio Michael -
   Die Wahrheit über Donald Trump
    Originaltitel: »Never Enough. Donald Trump and the Pursu«, © 2015
    Übersetzt von aus dem Amerikanischen
    Bettina Engels
    © 2016, München, Econ, 544 S.,
    24.00 € (Hardcover)
    € (mp3-Download)
    19.99 € (Kindle EBook)
   


          gebundenes Buch

          gelesen von: Walter Kreye
          Dauer: 1254 Minuten
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