Zähne zeigen
Zadie Smith - Zähne zeigen


rchie, 47 Jahre alt, hat das Leben satt. Die Scheidung von seiner Frau Ophelia, nach dreißig Jahren Ehe, setzt ihm mehr zu, als er gedacht hat. So fasst er für das neue Jahr nur einen einzigen Vorsatz: Er wird sich umbringen. Der Platz, den er für sein Vorhaben ausgesucht hat, - er steht mit seinem Auto exakt vor der Fleischerei Hussein - Ishmael, - ist nicht ganz ideal. Gerade als er dabei ist, mit einem alten Staubsaugerschlauch die giftigen Abgase ins Wageninnere zu leiten, wird er von vom Besitzer der Metzgerei unsanft gestört: "Hören Sie Mister? Wir haben hier keine Genehmigung für Selbstmorde. Der Ort hier ist halal. Koscher, kapiert? Falls Sie hier sterben wollen, mein Freund, müssen Sie leider vorher erst ordentlich ausgeblutet werden."

Archies bester Freund, Samad, rät deshalb: Eine neue Frau muss her - und das schleunigst. Weiß doch Samad selbst am besten, welches Glück die Ehe mit einer viel jüngeren Frau für einen Mann bietet. Zumindest fast immer. Samad ist felsenfest davon überzeugt, dass Archies einziger Fehler schlicht darin besteht, dass er sich in der Garderobe das falsche Leben abgeholt hat, mehr nicht. Und das lässt sich doch leicht wieder korrigieren. Archie findet tatsächlich in Clara, einer hinreißenden jamaikanischen Schönheit, mit dem winzig kleinen Makel, dass ihr leider die Vorderzähne fehlen, eine neue Ehefrau. Sogar Vater wird er, aber mit den Kindern beginnen die Probleme erst richtig.

Zadie Smith, 1975 in London geboren, landete mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Debüt "Zähne zeigen" einen grandiosen Erfolg. Den feinen Witz und die Lebendigkeit ihrer wunderbaren Familiengeschichte bringen die beiden Schauspieler Eva Gosciejewicz und Rufus Beck bei ihrer abwechselnden Lesung fabelhaft zur Geltung. © manuela haselberger


Zadie Smith - Zähne zeigen
Originaltitel: "White Teeth", © 2000
Übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann

© 2001, München, der hörverlag, 6 MC, 83.01 DM / 42.44

als Buch
© 2000, München, Droemer & Knaur, 642 S., 44.91 DM / 22.96

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DIE SELTSAME ZWEITE HEIRAT DES ARCHIE JONES

Früh am Morgen, Ende des Jahrhunderts, Cricklewood Broadway. Um 06.27 Uhr am 1. Januar 1975. Alfred Archibald Jones trug Kord, saß in einem abgasgefüllten Cavalier Musketeer Estate, den Kopf ans Lenkrad gelehnt, und hoffte, dass das göttliche Gericht nicht zu hart mit ihm umgehen würde. Er lag in einer demütigen Kreuzigungshaltung nach vorn geneigt, der Unterkiefer schlaff, die Arme ausgebreitet wie ein gefallener Engel; in den Fäusten hielt er seine Armeeorden (links) und seine Heiratsurkunde (rechts), denn er hatte beschlossen, diese Irrtümer mitzunehmen. Ein kleines grünes Lämpchen blinkte ihm ins Auge, kündigte ein Rechtsabbiegen an, das er, wie er entschieden hatte, in diesem Leben nicht mehr vornehmen würde. Er war fest dazu entschlossen. Er war dazu bereit. Er hatte eine Münze geworfen und blieb nun standhaft bei ihrer Entscheidung. Der Selbstmord war beschlossene Sache. Tatsächlich war er ein Vorsatz zum neuen Jahr.

Aber noch während seine Atmung unregelmäßig wurde und seine Sicht schwächer, war Archie klar, dass der Cricklewood Broadway eine seltsame Wahl war. Sie würde der ersten Person seltsam vorkommen, die seine zusammengesunkene Gestalt durch die Windschutzscheibe sah, dem Polizisten seltsam vorkommen, der seinen Bericht schrieb, dem Lokaljournalisten, der fünfzig Worte darüber schreiben sollte, und den Angehörigen, die diese Worte lesen würden. Cricklewood, eingezwängt zwischen einem allmächtigen Kinokomplex auf der einen Seite und einer riesigen Kreuzung auf der anderen, war keine Art von Ort. Es war kein Ort, den ein Mann aufsuchte, um zu sterben. S. 11


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Zähne zeigen

© 2000


© 30.10.2001
by Manuela Haselberger

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