Der kleine Prinz
Antoine de Saint-Exupéry - Der kleine Prinz


Unmöglich - kann nicht sein. Den Genuss Saint-Exupérys Der kleine Prinz zu erleben noch verbessern zu wollen - nicht machbar.
Doch wenn Ben Becker liest, Oliver Pryszlak seine unaufdringliche, beschaulichen Musikklänge darunterlegt und man sich ein paar Stunden Zeit nehmen kann, dann ist der schon so häufig gelesene Kleine Prinz doch ein vollkommen neues Erlebnis.
Das kleine Büchlein wurde im letzten halben Jahrhundert in buchstäblich hunderte von Sprachen übersetzt, ins Skipetarische, in Papabiento, .... es wurde in kyrillischer und sogar in bengalischer Schrift gedruckt, kam als fantastische Hörcassette heraus und trotzdem war noch eine Steigerung möglich.


Häufig bedauert man eine künstlerische Nachbearbeitung eines Buches mit einem anderen Medium (z.B. Kinofilm), weil man sich selbst in seiner eigenen Fantasiewelt im Kopf schon immer sehr genaue und naturgemäß ganz andere Bilder gemacht hat. Nicht so bei der CD-ROM des Kleinen Prinz!
Mit großer Sorgfalt editiert, Aquarellbilder von Saint-Exupéry als Hintergründe und auch technisch sehr, sehr ausgefeilt, i st die CD-ROM von Tivola-Spielgeschichten die zeitgemäße Form der Präsentation einer so wunderbaren Erzählung.
Viel intensiver als nur über den Lesesinn, erfährt der Hörer, Betrachter und interaktive Player mit seiner Maus, welche Emotionen einen Menschen wie Saint-Exupéry beim Fliegen bewegt haben müssen.

Neben der originalen Geschichte des kleinen Prinzen, die ansprechend in Buchform visualisiert zu durchblättern ist und dabei von Ben Becker kapitelweise vorgelesen wird, gibt es eine medial hervorragend gestaltete Biografie von Saint-Ex, mit vielen Fotografien aus der Zeit von 1900 - 1943 (z.B. einen Flugzeugmechaniker, der -mangels einer Leiter- auf einem Kamel sitzt und an einem 3 Meter über dem Wüstensand hängenden Propellermotor eines Doppeldeckers Reparaturen ausführt). Selbstverständlich sind auch alle Fotos mit Hörtexten unterlegt.

Ein ganz besonderes Vergnügen ist das Spiel mit dem Fuchs - eigentlich ein Fenek. Der Spieler muss versuchen den Fuchs zu zähmen; dafür soll er ihn immer wieder besuchen und Stück für Stück sein Vertrauen gewinnen - nach etlichen Versuchen gelingt dies auch und er wird mit einer ganz persönlichen Überraschung belohnt.

Alle diese medialen Welten des Saint-Exupéry sind in einem Grundbild eingebettet - der CD-Surfer bewegt sich intuitiv in diesem Bilder- und Musikuniversum. Immer wieder entdeckt er Neues (z.B. den Planeten B612) und keine störenden Buttons und Steuerbefehle trüben sein Erlebnis. Sorgfältig sind alle audiovisuellen Abläufe geplant - will der Surfer aufhören, erfolgt nicht wie bei vielen anderen Computeranimationen ein abrupter Ausstieg, sondern ein weiches Ausblenden von Bild und Ton.

So schaffen die Kompositeure der CD ein Ambiente von harmonischer Ruhe und Beschaulichkeit, in die man - auch aus dem größten Alltagsstress - eintauchen und sich versenken kann.
Danach ist man ähnlich wie bei der Lektüre des Originalbuches wieder ausgeglichener.


Antoine de Saint-Exupéry
Der kleine Prinz
Originaltitel: 1943, "Le petit prince;"
1998, Berlin, Tivola Verlag, CD-ROM., 40.30

Systemvoraussetzungen:
Pentium 100, Win95, 16MB Ram, 4fach CD

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Wer nur an einer Hörspielausgabe interessiert ist, der sollte sich erheblich günstiger die wunderschön gelesene Ausgabe mit Erich Mühe zulegen: Der kleine Prinz auf 2 CDs in der Metallbox

.. für den Unterrichtseinsatz finden sich hier noch einige interessante Veröffentlichungen:
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© by Manuela Haselberger
rezensiert am 1998-Dezember-13

Quelle: http://www.bookinist.de
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