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Majas Buch
Sabine Kornbichler - Majas Buch

abine Kornbichler gehört zu den Autorinnen, die in der Kritik der großen Feuilletons nicht wahrgenommen werden. Doch mit ihrem Erstling "Klaras Haus" hat die Newcomerin es nicht nur geschafft, das Lektorat des Droemer Knaur Verlags von ihrer Qualität zu überzeugen, sie hat auch die Buchhändler und vor allem die Leserinnen auf ihrer Seite.

Mit der Journalistin Ellen Bertram steht in ihrem neuem Roman "Majas Buch" eine dynamische, sehr selbständige junge Frau im Mittelpunkt der Handlung. Bei einer Reportage in Südtirol verliebt sich Ellen in den um viele Jahre älteren Maler Philip Sanden. Das Glück ist jedoch von kurzer Dauer. Der Künstler stirbt bei einer Bergtour - ein bedauerlicher Unfall. In ihrer Trauer beginnt Ellen, Nachforschungen über Philips Leben anzustellen. Sie spricht mit seiner Ehefrau, seiner Galeristin und seiner Tochter. Nicht immer kommen schmeichelhafte Charakterzüge des Geliebten dabei zutage und Ellen hat alle Mühe, ihre Informationen mit ihrem eigenen Bild von Philip in Übereinstimmung zu bringen.

Soviel zur Handlung in groben Zügen. Zugegeben, kein Plot, der Überraschungen birgt, die nicht vorhersehbar wären. Doch die Qualität von Sabine Kornbichler liegt in ihrem warmherzigen Stil und ihren intelligenten Dialogen. Der Leser kann sich ohne Schwierigkeiten gut in den Alltag der beschriebenen Personen hinein versetzen. Denn diese Szenerien sind bekannt und lassen ein wenig die eigene Umgebung zurücktreten. Und das ist doch das Schöne am Lesen: für einige Stunden zu Gast bei anderen Menschen zu sein, mit ihnen fühlen, leiden und mit einem Seufzer das Buch zuklappen. Was spricht gegen gute Unterhaltung? Eben. © manuela haselberger


Sabine Kornbichler - Majas Buch

© 2002, München, Knaur, 335 S., 19.90 (HC)





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Manchmal muss man an einen Ort zurückkehren, damit ein Kreis sich schließen kann und Frieden einkehrt Diese Weisheit stammt nicht von mir, sondern von meiner Freundin Lilly. Sie meinte, ich müsse die widerstreitenden Bilder, die ich mit mir herumschleppe, endlich einmal in Einklang bringen. Es mache keinen Sinn, sie länger als Ballast mit mir herumzuschleppen, damit sei niemandem gedient, am wenigsten mir selbst. Deshalb sollte ich dorthin zurückkehren, wo alles begann. Sie hatte mich überzeugt. Als sich das schmiedeeiserne Tor vor mir öffnete und ich langsam die Auffahrt zwischen den hohen Hecken hindurchfuhr, war mir, als wäre es gestern gewesen, dass ich zum ersten Mal hierher kam. Dabei war ein Jahr vergangen. Hier hatte es jedoch keine Spuren hinterlassen. Alles war so, wie ich es in Erinnerung hatte, sogar die Junihitze mit ihren fast dreißig Grad. Nur das Zimmer war neu für mich. Die Tür zum Garten stand offen. Ich zog mir eine der Liegen in den Schatten und streckte mich der Länge nach darauf aus. Die lange Fahrt hatte mich ebenso erschöpft wie aufgekratzt. Da ich zum Lesen zu müde war, lag ich einfach nur da, während sich meine Blicke auf Wanderschaft begaben, hinauf zu den Baumkronen über mir- Das von leisem Rauschen begleitete Spiel der Blätter hatte etwas Beruhigendes, sodass mir langsam die Augen zufielen. Vor meinem inneren Auge spulten die Geschehnisse wie auf einer Filmrolle zum Anfang zurück.

Ich hatte endlich die Festschrift zum fünfundzwanzigjährigen Firmenjubiläum eines Kunden fertiggestellt und den Text für meine regelmäßige Kolumne in der Isabelle abgeschickt. Die nächsten Aufträge hatten noch so viel Zeit, dass ich guten Gewissens zwei Wochen Urlaub einschieben konnte. Was ich mir so lange vorgenommen hatte, sollte endlich wahr werden: Ich würde meine Seele baumeln lassen, und zwar an der Mecklenburgischen Seenplatte. Als ich vor drei Jahren, rechtzeitig zu meinem fünfünddreißigsten Geburtstag, meinem Freiheitsdrang nachgegeben und bei der Zeitung gekündigt hatte, um mich fortan als freie Journalistin zu versuchen, war es notorischer Geldmangel gewesen, der sämtliche Reisepläne torpediert hatte. Inzwischen war die Durststrecke überwunden und ich so gut im Geschäft, dass aus dem Mangel an Geld ein Mangel an Zeit geworden war. Aber dieses Mal, hatte ich mir vorgenommen, würde nichts dazwischenkommen.

Alles lief nach Plan: Mein Koffer war gepackt, meinen Kunden hatte Ich E-Mails geschickt, damit sie nicht vergebens versuchten, mich zu erreichen, und mein Auto stand vollgetankt vor der Tür. Sogar das Wetter spielte mit: An diesem Tag war das Thermometer bereits um acht Uhr morgens über die Zwanzig-Grad-Marke geklettert. Durch die geöffneten Fenster wehte eine angenehm milde Morgenluft in meine Wohnung. Anfangs war es ungewohnt gewesen, meinen Arbeitsplatz aus den belebten Redaktionsräumen in meine ruhige Zwei-Zimmer-Altbauwohnung zu verlegen. Aber schon nach kurzer Zeit hätte ich nicht mehr tauschen wollen. Das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit wog vieles auf, was auch bei dieser Arbeitsform nicht ideal war: die Ungewissheit von Folgeaufträgen, die manchmal sehr zähe Akquisition von Neukunden oder das Eintreiben der Rechnungen. Bei alldem war ich jedoch mein eigener Herr und musste niemandem Rechenschaft ablegen. Meinem Schreibtisch würde ich nun für zwei Wochen den Rücken kehren. Er sah so aufgeräumt aus wie schon lange nicht mehr. Diesmal würde auch mein Laptop zu Hause bleiben, damit ich gar nicht erst in Versuchung kam. Ich hatte ihn gerade in einer Schublade verstaut, als es an der Tür klingelte. Das musste Lilly sein. Wir wollten noch zusammen frühstücken, bevor ich mich auf den Weg gen Norden machte. Kurz nachdem ich vor fünf Jahren meine Wohnung in Frankfurts beliebtem Stadtteil Sachsenhausen bezogen hatte, fand Ully gleich um die Ecke Räume für ihre lange geplante Psychotherapiepraxis und ließ sich dort nieder. An manchen Tagen bestellte sie die Patienten erst später, um vorher noch bei mir zum Frühstück einzukehren. Zum Aufwärmen für den Tag, wie sie es nannte. So auch an diesem Tag. Als ich den Hörer der Sprechanlage ans Ohr hielt, tonte mir schon ihr fröhliches Guten Morgen entgegen.

Lilly ist im Gegensatz zu mir ein Morgenmensch, was unserer Freundschaft jedoch keinen Abbruch tut. Seit dem Tag, an dem wir uns im Gymnasium zum ersten Mal gegenüberstanden und beschlossen hatten, unsere Pause gemeinsam mit Gummitwist zu verbringen, ist sie meine beste Freundin. Und umgekehrt. Ich freute mich sehr, sie vor meiner Fahrt noch kurz zu sehen. Die Wohnungstür hatte ich angelehnt, Lilly würde einen Moment brauchen bis zu mir in den zweiten Stock. In der Zwischenzeit füllte ich schon einmal unseren. Kaffee und die geschäumte Milch in Tassen und streute noch ein wenig Kakaopulver darüber. Den Tisch hatte ich bereits auf meinem zu dieser Zeit noch sonnenbeschienenen Minibalkon gedeckt. »Hallo, Ellen«, hörte ich Lillys Stimme hinter mir und drehte mich zu ihr um.
Sie stand samt Henriette und Brötchentüte im Türrahmen meiner Küche und strahlte mir entgegen. »Guten Morgen.« Gegen die Spüle gelehnt, schaute ich die beiden an. S. 7-10

Lesezitate nach Sabine Kornbichler - Majas Buch










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Titel von
Sabine Kornbichler
 Taschenbuch



Steine und Rosen

© 2001



Klaras Buch

© 2002



Klaras Buch

© 2000


© 22.4.2002 by
Manuela Haselberger
Quelle: http://www.bookinist.de