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Horror aus der Garage
Stephen King - Der Buick

ed Wilcox kann es nicht fassen, dass ausgerechnet sein Vater, ein hervorragender Polizist, der seine Arbeit vorbildlich erledigt, bei einem schrecklichen Unfall im Dienst ums Leben kommt. In seiner Trauer sucht er die Nähe zu den ehemaligen Kollegen, die zugleich auch die besten Freundes seines Vaters waren. Ned macht sich nützlich: er kehrt den Vorplatz der Polizeistation, übernimmt den Dienst in der Telefon - Zentrale und eines Tages wirft er auch einen Blick in den alten Schuppen. Das Auto darin, - ein Buick, - sieht völlig harmlos aus. Doch als die Polizisten ihm die unglaubliche Geschichte dieses mysteriösen Vehikels erzählen, die schon seinen Vater faszinierte, sträuben sich dem Jungen die Haare.

Kann es sein, dass ein Auto, das völlig bewegungslos in der Garage steht, ein wahres Feuerwerk entzündet, Ungeheuer aus dem Kofferraum schleudert, die an kein bekanntes Lebewesen erinnern, ja sogar Menschen verschwinden lassen kann?

Bei Stephen King, dem Meister des Horrors, ist natürlich nichts unmöglich. Mit einer Hingabe zu einzelnen Details, schildert er den "Einbruch des Grauens ins Alltägliche." Und dabei ist nichts unvorstellbar und alles denkbar - eine Sache der Phantasie des Lesers.

Der Hintergrund des neuen Romans "Der Buick" ist aber mindestens ebenso spannend. Denn während King an diesem Buch mit einer Menge grässlicher Verkehrszwischenfälle arbeitete, erlitt er selbst einen sehr schweren Unfall: er wird von einem Auto angefahren. Monatelang lief er an Krücken, doch das hielt ihn nicht davon ab, an seinem Roman zu schreiben. Zufall? Wer weiß. Allerdings, so viel ist sicher: es war kein Buick an Stephen Kings Unglück beteiligt. Und wer glaubt schon an die schicksalhafte Verknüpfung von Realität und Imagination? © manuela haselberger


Stephen King - Der Buick
Originaltitel: From A Buick 8 , © 2002
Übersetzt von Jochen Schwarzer

© 2002, München, Ullstein Verlag, 496 S., 22 (HC)






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Jetzt: Sandy

Curt Wilcox' Sohn kam in dem Jahr nach dem Tod seines Vaters oft zu uns in die Polizeikaserne, wirklich oft, aber nie hat ihm jemand gesagt, er solle nicht im Wege stehen, oder ihn gefragt, was zum Teufel er denn hier schon wieder zu suchen hätte. Uns war klar, was er hier wollte: Er klammerte sich an die Erinnerung an seinen Vater.Polizisten verstehen eine ganze Menge von Trauer; ja, die meisten von uns kennen sich damit besser aus, als uns lieb ist.

Es war Ned Wilcox' letztes Jahr auf der Statler High School. Aus der Footballmannschaft war er ausgestiegen; als er sich entscheiden musste, entschied er sich für die Troop D. Kaum zu glauben, dass ein junger Mann so was macht: statt der Spiele am Freitag und der Partys am Samstagabend lieber unbezahlte Arbeit zu leisten, aber genau das hat er getan. Ich glaube, niemand von uns hat mit ihm über diese Entscheidung gesprochen; aber er nötigte uns Respekt damit ab. Er hatte eben einfach beschlossen, dass die Zeit der Spiele für ihn vorbei war, Erwachsene Männer sind zu solchen Entscheidungen oft nicht fähig; Ned aber traf sie in einem Alter, in dem er noch nicht mal legal an alkoholische Getränke oder Zigaretten kam. Ich glaube, sein Dad wäre stolz auf ihn gewesen. Nein, das glaube ich nicht nur, das weiß ich.

Da der Junge so oft bei uns war, war es wohl unvermeidlich, dass er sah, was draußen im Schuppen B steht, Und jemand fragte, was das sei und was es dort zu suchen habe. Und es war nur wahrscheinlich, dass er damit zu mir kam, denn ich war der beste Freund seines Vaters gewesen, zumindest sein bester Freund bei der Polizei. Vielleicht wollte ich sogar, dass es so kam. Was dich nicht umbringt, macht dich härter, heißt es ja immer. Sollte die Katze ihre Neugier doch stillen.

Was mit Curtis Wilcox passiert war, ist schnell erzählt. Ein altbekannter Suffkopf hier aus dem County, den Curt schon sechs- oder achtmal festgenommen hatte, hatte ihn auf dem Gewissen. Der Alki, Bradley Roach, wollte keinem was zuleide tun; das wollen Alkis meistens nicht. Weg bis Rocksburg in ihren dummen Arsch treten.

An einem heißen Spätnachmittag im Juli '01 winkte Curtis einen großen Sattelzug rechts ran, der vom vierspurigen 1-87 abgefahren wai, weil der Trucker den Raststättenfraß von Burger King und Taco Bell nicht mehr sehen konnte und rechtzeitig zum Abendessen zu Hause sein wollte. Curt hatte sich vor der stillgelegten Jenny-Tankstelle an der Kreuzung State Road 32 und Humboldt Road postiert - also genau an der Stelle, an der viele Jahre zuvor dieser verdammte alte Buick Roadmaster in unserem Teil des bekannten Universums aufgetaucht war. Man kann das natürlich als Zufall bezeichnen, wenn man will, aber ich als Polizist glaube nicht an Zufälle, nur an Verkettungen von Ereignissen, die immer länger und brüchiger werden, bis sie dann durch ein Missgeschick oder schlichte menschliche Niedertracht irgendwann abreißen.

Neds Vater folgte dem Sattelzug, weil der einen "Schlapper" hatte. Als er vorbeifuhr; sah Curt, dass sich von einem der hinteren Reifen ein Gummi löste wie von einem großen, schwarzen Feuerrad. Viele selbständige Fernfahrer verwenden runderneuerte Reifen - bei den Dieselpreisen heutzutage bleibt ihnen auch kaum etwas anderes übrig und manchmal löst sich bei denen das Profil. Man sieht ständig Kringel und Brocken davon auf dem Highway liegen, entweder direkt auf der Fahrbahn oder auf den Standstreifen geweht - wie die abgelegte Haut riesiger, prähistorischer, schwarzer Schlangen. Es ist gefährlich, hinter so einem Schlapper herzufahren, vor allem auf einer zweispurigen Straße wie der SR-32, einem hübschen, aber vernachlässigten Highway-Abschnitt zwischen Rocksburg und Statler. Curt wollte dafür sorgen, dass der Fahrer des Sattelzugs den Reifen wechselte, ehe ein Stück vom Profil einem nichts ahnenden Autofahrer hinter ihm die Windschutzscheibe einschlug. Auch wenn es nur daran abprallte, konnte sich der Fahrer doch so erschrecken, dass er von der Straße abkam, an einen Baum fuhr oder sogar die Boschung hinab in den Redfern Stream stürzte, der Kurve um Kurve fast sechs Meilen lang an der SR-32 entlangfließt.

Curt schaltete sein Blaulicht an und der Trucker fuhr wie ein braver Junge rechts ran. Curt hielt direkt hinter ihm, meldete über Funk seinen Standort, gab dann durch, worum es ging, und wartete, bis Shirley das bestätigt hatte. Dann stieg er aus und ging zu dem Laster.

Wäre er direkt zu dem Fahrer gegangen, der sich aus dem Seitenfenster lehnte und sich zu ihm umsah, dann würde er heute vermutlich noch auf Erden weilen. Doch er blieb stehen und betrachtete das lose Profil an dem letzen Reifen hinten links, zog sogar daran, um zu sehen, ob er es abbekam. Der Trucker sah das alles und bezeugte es später vor Gericht. Dass Curt dort stehen blieb, war das vorletzte Glied in einer Verkettung von Ereignissen, die seinen Sohn zur Troop D führten und schließlich dafür sorgten, dass er einer von uns wurde. Das allerletzte Ereignis bestand darin, dass sich Bradley Roach nach rechts beugte, um sich noch ein Bier aus dem Sixpack zu nehmen, das vor dem Beifahrersitz seines alten Buick Regal stand . S. 7-10

Lesezitate nach Stephen King - Der Buick










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© 24.4.2002 by
Manuela Haselberger
Quelle: http://www.bookinist.de