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Cogito ergo litter
Alexandra Martini - Litter only

ie Globalisierung schreitet unbarmherzig voran und mit ihr im Gefolge begleiten uns all jene Dinge, die wir eigentlich nicht mehr haben wollen oder gar niemals gebraucht haben - und zack - ab damit in den Mülleimer.

Was ist das für ein hässliches Ding so ein Mülleimer, weiland Kuttereimer genannt und aus Metall, heute eckig und aus schlackegrauem Plastik. Und da gibt es Menschen, die machen ein Buch darüber - die müssen verrückt sein.

Doch nein - wer Augen hat, findet hier eine unglaubliche Vielfalt. Sie existiert tatsächlich, die Ästhetik des Mülleimers. Zumindest kommt man zu diesem Schluss, wenn man Alexandra Martinis kleines 15,5 cm im Quadrat messendes und rund 450 Gramm schweres Bildbändchen in die Hand genommen hat.

Rote, gelbe, grüne, graue, mit Deckel, ohne Deckel, rund, eckig, aus Plastik, aus Blech, aus Cromargan, aus Holz, aus Weidenruten, aus Ölfässern ... mit Beschriftung, mit Aufklebern, Hinweistafeln, Piktogrammen, Graffiti-Botschaften oder Werbelogos; mit Rädern, an Wände geschraubt, auf Pfosten, an Metallstangen genietet, nach oben geöffnet, seitlich, mit Klappen versehen, als Tierfigur oder als Kinderpuppe geformt, mit runden Öffnungen, mit Schlitzen, mit Regendach, Handgriffen, integriertem Aschenbecher, geflochten, angebunden, zum Abschließen, aus Waschbeton, Gitterstäben oder doppelwandig, containergroß, mannsgroß oder klein wie eine Einkaufstasche - überall stehen sie und drängen uns auf- oder unauffällig ihre Dienste auf. Manche quellen über, manche blitzen sauber, manche gähnen leer; andere drücken sich verschämt in Ecken, stehen an Straßenkreuzungen oder idyllisch am Strand oder Hafen.

Die Spur der Zivilisation, überall hat die Fotografin Alexandra Martini sie entdeckt: In Deutschland, Spanien, Norwegen, Japan, Brasilien, der Niederlande, San Salvador, Argentinien, Finnland, Südafrika, Malaysia, Borneo, der Schweiz, am Flughafen, am Strand, auf der Wiese, in London, Chiang Mai, auf Macao, Eastburn, Milano, Tokio, Tel Aviv ... und überall sind sie ein klein wenig anders, mal sauberer, mal schmutziger, mal greller, mal moderner, mal industriedesignt, mal handgebastelt, mal zerborsten - aber nirgendwo sonst wie in Deutschland, in der Nähe von München auf der A9, hat sie einen Mülleimer entdeckt, auf dessen Flanke ein Schild prangt, das in großen, farbigen Lettern folgende Warnung und Drohung verspricht: Nur Reiseabfälle! Zuwiderhandlungen werden als unerlaubte Sondernutzung zur Anzeige gebracht.

Na denn! Das bringt einen beim Blättern doch ins Grübeln.
  © thomas haselberger




Alexandra Martini - Litter only
© 2000 Köln, KÖNEMANN , x-Photos, 9.95









© 28.1.2002 by
Manuela Haselberger
Quelle: http://www.bookinist.de