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Waschen, schneiden, schreiben
Sarah Strohmeyer - Mord war erst der Anfang

s sollte für ihren Ex-Ehemann, immerhin ein gut verdienender Rechtsanwalt, so richtig teuer werden mit den Unterhaltszahlungen für sie. Darum belegt Bubbles Yablonsky, die sich als super - blonde Friseuse mit waffenscheinpflichtiger Barbie-Figur bisher ganz wohl fühlt im Schönheitssalon, diesen Kurs im Gemeindecollege. Auch wenn sie Null - Ahnung hat, was es mit dem Journalismus auf sich hat.

Als Bubbles ihren ersten Artikel veröffentlicht und darüber berichtet, dass sie die Ehefrau des örtlichen Stahlbosses, die sich in ihrer Freizeit vehement der Drogen - Bekämpfung widmet, sturzbetrunken nachts in einem Jeep überrascht, mit dem sie gerade einen Mann überfahren hat, schlagen die Wellen hoch.

Erstaunlicherweise ist die Polizei überhaupt nicht daran interessiert, den Fall aufzuklären und der Chefredakteur ihrer Zeitung bringt schnell eine Gegendarstellung. Doch niemand rechnet mit Bubbles Hartnäckigkeit und ausgezeichneter Kombinationsgabe. Gerade beim wöchentlichen Styling erzählen die Kunden eine ganze Menge. Mit Sicherheit ist dies nicht Bubbles letzter Fall, dafür ist sie eine zu ausgefuchste Reporterin.

Dass bei ihrem Romandebüt Sarah Strohmeyer entscheidende Hilfe von ihrer Freundin, der bekannten Krimiautorin Janet Evanovich erhalten hat, ist in Bubbles Witz und Scharfzüngigkeit spürbar. Die Frauen an ihrer Seite, ihre Mutter, die sich vorzugsweise in Tarnanzüge kleidet, wenn sie nicht gerade ein exorbitant teures Designer - Kleid einer Boutique bei Tageslicht betrachten möchte und mit dem edlen Teil erst mehrere Querstraßen weiter von der Polizei geschnappt wird, sowie Bubbles Tochter Jane, die ihre Haarfarben häufiger wechselt als die Unterwäsche, sind nicht minder gut getroffen.

Soviel ist klar, beim nächsten Friseurbesuch können Sie getrost auf "Gala" und "Neue Frau" verzichten, Bubbles unterhält sie weit witziger. © manuela haselberger


Sarah Strohmeyer - Mord war erst der Anfang
Originaltitel: Bubbles Unbound, © 2001
Übersetzt von Martin Richter

© 2001, München, Heyne Verlag, Piazza, 319 S., 29.24 DM, 14.95 (HC)
© 2002, München, Heyne Verlag, Piazza, 319 S.,   7.95 (HC)






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KAPITEL 1 Den größten Teil meines Lebens haben mich die Leute in dieser Stadt für eine dieser dämlichen Blondinen gehalten, die sich bloß für Sex, Seifenopern und Klatsch interessieren. Dass ich Bubbles Yablonsky heiße, von Beruf Friseuse bin, eine Figur wie eine Barbiepuppe habe und am liebsten Hot Pants und schulterfreie Tops trage, macht die Sache nicht besser.
Also schön, ich wirke vielleicht nicht gerade wie eine Intellektuelle, aber ich weiß etwas, was nicht mal die Polizei weiß. Ich weiß, was wirklich mit Laura Buchman passiert ist. Jedenfalls meine ich das zu wissen.

Wie ich schon zu meiner Chefin und besten Freundin Sandy gesagt habe: Siebzehnjährige Cheerleader, die so lebhaft sind wie Laura, machen nicht einfach Schluss, jedenfalls nicht bei uns in Lehigh, Pennsylvania. Lehigh ist eine nüchterne, raue Industriestadt an der Grenze zu New Jersey. Wir verehren unsere Cheerleader fast wie Heilige. Die wichtigsten Accessoires für ein Mädchen sind hier die Krone der Homecoming Queen auf dem Kopf und der Cheerleader-Wedel in der Hand. Ein Cheerleader aus Lehigh müsste verrückt sein, um das aufzugeben.

Und Laura war nicht verrückt. Unbedacht vielleicht. Naiv. Pubertär. Oder leichtsinnig. Aber nicht verrückt. Ich weiß das, weil ich sie am Tag ihres so genannten Selbstmords frisiert habe. Das war vor zehn Jahren.S. 7

7 KAPITEL 19 Was wird denn das, ein Wettbewerb für die Nutte des Jahres?« Doris Daye stieg in den Camaro und war kaum noch als die Bücher verschlingende Brillenschlange zu erkennen, der ich gestern begegnet war. Unter dem T-Shirt und der Jeans hatte ein waffenscheinpflichtiger Körper gesteckt. Und heute Abend steckte dieser Körper in einem eng anliegenden silbernen Lamekleid und passenden Pumps. Statt der Brille trug sie jetzt Kontaktlinsen.

»Wow, Doris«, meinte ich. »Du siehst ja ... wow!«
»Ja, nicht?«, stimmte sie zu und betrachtete sich im Rückspiegel. Sie stellte den Rekorder an und Van Halen fing an zu kreischen.
»Igitt, Westküstenschrott«, sagte sie, schnappte sich die Kassette und schmiss sie zurück in den Kasten »Hast du nichts Besseres?«
»Was denn, Earth, Wind and Fire?«, fragte ich, als wir die Fahy-Bridge überquerten, wo ich erst zwei Tage vorher zur Heldin geworden war. »Nein. Nur weil ich schwarz bin, muss ich ja nicht bloß schwarze Musik hören. Vielleicht hör ich ja Mozart oder Salsa. Jazz. Japanische Trommler. Schon mal drüber nachgedacht?«
»Tut mir Leid, Doris. «
»Ach, komm schon«, sagte sie und gab mir einen Knuff. »Hören wir uns Maurice und die Jungs an. « Sie legte EWF ein und ich erzählte ihr von Jim Morrison und Chester Zug und was mir Mrs. Arbogast kurz davor über den Spanner erzählt hatte.
»Meinst du, das war Chester?«
»Könnten wir ja mal nachhaken.«
»Könnten wir.«
Wir verstummten, um zuzuhören, wie Maurice White die hohen Töne bei der Live-Version von Reasons traf. Die Luft war warm, die Sterne gingen auf und ich war Single. Mann, hätte ich gern ein Cabrio gehabt.

Das erinnerte mich an Jeeps, und das wieder an Stiletto. Das war ein gefährlicher Gedanke, so wie ich angezogen war und wie die Bässe von EWF in die Sommernacht wummerten.

Ich stellte den Camaro vor St. Anne's ab und versuchte, mich an die Wegbeschreibung von Mr. Salvo zu erinnern. Doris und ich folgten ihr genau, aber wir fanden nur ein kleines Haus, wo der Club sein sollte. Grau, unscheinbar, mit runtergelassenen Jalousien.
»Hier ist es«, meinte Doris zuversichtlich.
»Das ist ein Wohnhaus«, wandte ich ein, als sie auf die Tür zumarschierte.
»Das ist ein Club.«
Auf Doris`` Drängen versuchte ich den Schlüssel. Das Schloss ging auf.
»Siehst du«, sagte sie. »Du musst öfter ausgehen.« Wir machten die Tür auf, die in einen kleinen dunklen Flur mit braunem Teppichboden führte. Ein Münztelefon hing an der nachgemachten Holzvertäfelung neben ein paar Kleiderhaken. Es gab etwa zehn Haken und alle waren leer. »Hübsche Inneneinrichtung«, meinte Doris und fuhr mit der Hand über die Vertäfelung. »Ich schätze, wenn du dich vol1 laufen lassen willst, gibst du nicht viel auf die Atmosphäre.«

Doris und ich gingen vorsichtig auf eine Tür zu, aus der Stimmengemurmel und Zigarettenqualm drangen.
Wir betraten einen großen Raum mit einer verspiegelten Bar am Ende. In einer Ecke stand ein Billardtisch, in einer anderen eine Musikbox und in der Mitte ein paar niedrige Holztische. Fenster gab es keine.

Der Club war leer bis auf einen schlanken Mann mit Zopf am Billardtisch und zwei stämmigen Mittsechzigern mit dünnem grauem Haar und feisten Gesichtern, die an einem der Tische saßen. Sie hatten das an, was Mama die offizielle Polkauniform nannte - schwarze Hosen, weißes Hemd, weiße Socken und schwarze Schuhe.
Auch auf die Entfernung konnte ich sehen, dass ihre Arterien nach Jahrzehnten von Wurst, Bier und Kabelfernsehen verstopft waren. Einer der beiden trug eine Brille. Sonst waren sie wie Zwillinge.
Mein geschultes Auge identifizierte sie als Boomba-Spie1er auf dem Heimweg nach einem Auftritt im Dorney Park. Woher ich das wusste? Die Boombas auf den Stühlen neben ihnen verrieten sie genauso wie ihre Hemden mit dem aufgestickten Schriftzug BOOMBASTICS. Dazu kamen die Baseballkappen, auf denen »Dorney Park« stand.

Die meisten Menschen, die nicht im Lehigh Valley wohnen, haben nie eine Boomba gesehen. Eine Boomba ist eigentlich eine Art Hüpfstab, an dem Holzstücke, Becken, Kuhglocken, Bierhähne und verschiedener Kleinkram befestigt sind. Es gibt viele im Ort, die schwören, es sei ein Musikinstrument. Überzeugt haben sie mich noch nicht.

Angeblich gibt es nicht zweimal dieselbe Boomba und sie sind häufig nach verschiedenen Themen verziert. Ich habe Autoteil-Boombas mit Zündkerzen und Radkappen gesehen. Irische Boombas hatten Kobolde drauf. Natürlich sind Küchen-Boombas immer beliebt und praktisch. Die von Mama ist mit allem möglichen Kram verziert, den sie im Seniorenzentrum hat mitgehen lassen.
Nur damit Sie Bescheid wissen: Das Wort »Boomba« heißt übersetzt »Krach bumm«. So viel dazu.

Doris sah die beiden Boombas und stöhnte. »Das Erste, was ich gehört hab, als ich im Lehigh Valley aus dem Bus .... S. 215-217

Lesezitate nach Sarah Strohmeyer - Mord war erst der Anfang










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Titel von
Sarah Strohmeyer
 Taschenbuch



Barbie ausser Rand und Band.
Eine Parodie des Barbie- Kultes.

© 1998


© 7.3.2002 by
Manuela Haselberger
Quelle: http://www.bookinist.de