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Ein heißer Tag. Windstill, schwül. Nach normalen englischen Maßstäben wirklich heiß, unerträglich heiß. Nicht daß England diesbezüglich noch Maßstäbe hätte. Die globale Erwärmung, natürlich. Aber wenn man alt wird, dann erscheint es einem ja immer so, als gäbe es keine Maßstäbe mehr, das ist nichts Neues. Die Hundstage. Und alles ist vor die Hunde gegangen. S. 9 ........... weiter....


Lesezitat nach John Bayley - Elegie für Iris


Elegie für Iris
John Bayley - Elegie für Iris

Über fünfundvierzig Jahre war John Bayley mit der Schriftstellerin Iris Murdoch verheiratet.

Als er sie kennen lernt, kann er sich nicht vorstellen, dass sie auch Beziehungen zu anderen Männern haben könnte.

Doch er täuscht sich. Nicht nur Elias Canetti hatte ein Verhältnis mit der kühlen Dame, die neben ihren philosophischen Werken sechsundzwanzig Romane verfasste.

Im Alter erkrankte Iris Murdoch an Alzheimer und diese intelligente Frau, konnte nur noch mit Mühe ihren Namen schreiben.

John Bayley entwirft ein wunderbares Porträt ihrer langen Ehe und verschweigt nicht den Verlauf der heimtückischen Krankheit.

John Bayley - Elegie für Iris
aus dem Amerikanischen von
Originaltitel: © 1999, "Elegy for Iris"
2000, München, C.H. Beck Verlag, 261 S., 23.90 (HC)
2002, München, dtv, 259 S., 9.50 (TB)

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Fortsetzung des Lesezitats ...

Sie war keine hübsche junge Frau im landläufigen Sinn, was die Tatsache, daß ich in sie verliebt war, sehr viel aufregender machte. Außerdem war es mir aus einem anderen und, wie mir augenblicklich klar wurde, ziemlich niedrigen Grund nur allzu recht: Da ihr alle offensichtlichen weiblichen Reize fehlten, war es unwahrscheinlich, daß sie anderen Männern gefiel. S. 20

Alzheimerkranke sind nicht immer sanftmütig, ich weiß es wohl. Aber Iris ist in vieler Hinsicht immer noch die alte. Ihre Konzentrationsfähigkeit hat sie verloren, wie auch das Vermögen, zusammenhängende Sätze zu bilden und sich daran zu erinnern, wo sie ist oder war. Sie weiß nicht, daß sie neben ihren philosophischen Werken sechsundzwanzig bemerkenswerte Romane geschrieben hat, daß ihr alle bedeutenden Universitäten die Ehrendoktorwürde verliehen haben, daß sie den Titel einer Dame of the British Empire trägt . . . Wenn sie von einem Bewunderer oder Freund gebeten wird, einen ihrer Romane zu signieren, betrachtet sie das Buch voll freudiger Überraschung, ehe sie dann mühsam ihren Namen und, wenn sie kann, den des anderen schreibt. S. 40

Auf unserer Hochzeitsreise haben auch Flüsse eine Rolle gespielt.
Wir haben 1956 geheiratet, fast drei Jahre nachdem wir uns kennengelernt hatten. Ich habe einmal ausgerechnet, wie viele Tage seit dem Morgen vergangen waren, an dem ich Iris langsam am Fenster hatte vorüberradeln sehen, aber ich habe die Zahl vergessen, und es würde zu lange dauern, sie noch einmal auszurechnen. S. 82
Iris schrieb
Hergé einen Fan-Brief, und er bedankte sich dafür, wobei er auch erwähnte, daß er sich zu einer Signierstunde in Hamleys Spielwarenladen - etwa in der Mitte der Regent Street und heute nicht mehr vorhanden - aufhalten werde. Wir waren an dem genannten Tag dort, und Iris konnte sich lange mit dem großen Mann unterhalten, ihm von ihrer Zeit in Brüssel unmittelbar nach dem Krieg und der Tätigkeit für die Hilfsorganisation UNRRA erzählen. Sie sprach sonst nie über diese Erlebnisse. Hergé war ein hochgewachsener, schlaksiger Mann mit sandfarbenem Haar, der, wie wir uns hinterher einig waren, an den Führer einer Pfadfindergruppe erinnerte. Er sprach ein ausgezeichnetes Englisch. Ihre Begeisterung für den kleinen Reporter Tintin und seinen älteren, in Maßen trinkfreudigen Freund Captain Haddock hatte Iris annehmen lassen, daß ihr Urheber wahrscheinlich homosexuell sei. Ich glaube, sie hoffte es sogar, denn sie hatte, was Schwule anging, eine seltsam romantische Ader, wobei sie manchmal in ihrer Einschätzung dessen, wer was war, zu einer gewissen Naivität neigte. Ich meldete, was den Autor der Tintin-Bücher betraf, meine Zweifel an, und kürzlich las ich in der Zeitung einen Artikel, bei dem es sich, glaube ich, um einen Nachruf handelte und in dem von einer langen und glücklichen Ehe die Rede war und angedeutet wurde, daß er auch so etwas wie ein Schürzenjäger war.

Lesezitate nach John Bayley - Elegie für Iris


© by Manuela Haselberger
rezensiert am 4.7.2000

Quelle: http://www.bookinist.de
layout © Thomas Haselberger