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Kann man die deutsche Geschichte einfach erzählen?
Manfred Mai - Deutsche Geschichte

Gibt es sie, eine Geschichte der Deutschen? Zweifelsohne gibt es eine Geschichte Deutschlands, aber eine der Deutschen? Manfred Mai hat mit seinem Buch "Deutsche Geschichte" in 56 zwei- bis dreiseitigen Kapiteln versucht, die Historie dieses Volkes zusammenzutragen. Er spannt einen weiten Bogen: Beginnend mit dem Zeugnis des römischen Geschichtsschreibers Tacitus, der über den Ursprung der Stämme Germaniens berichtet, bis zum 3.Oktober 1990 ist es in der Tat ein weites Feld.

Und so fällt es Karl dem Großen zu 771 das Bild von Deutschland zu formen und wenige Jahrhunderte später den Habsburgern, das Reich neu zu ordnen. Fast, so lässt es Mai uns scheinen, hätte die Kirchenspaltung im Gefolge der Lutherschen Thesen dem gemeinen Mann in Deutschland zu einem neuen Gesellschaftsmodell verholfen. Aber der dreißigjährige Krieg und die Pest machten alles wieder zunichte, so dass der Absolutismus auch in Deutschland gewaltige Ausmaße annehmen konnte. Und später erfroren die Preußen und das Zeitalter der Aufklärung alle Bemühungen des kleinen Mannes.

Nur einmal, als der untersetzte Franzose kam, und wenige Jahrzehnte danach, war die Chance in der Frankfurter Paulskirche greifbar. Doch der Deutsche fügte sich in sein Schicksal. Nicht die bürgerliche, sondern die industrielle Revolution erfasste ihn und trug ihn mit Glanz und Gloria und lautem Säbelrasseln in einen barbarischen Krieg.

Auch danach war er weiterhin gläubig und untertan: Die Dolchstoßlegende führte ihn nach einer kurzen zweiten Chance zur Demokratie direkt in das braune Massengrab. Nur wenigen, wie dem Geschwisterpaar Scholl, gebührt der Anspruch auf aufrechtes Deutschsein in einer Ära der Neu-Germanisierung. Am Ende reichen sich drei große Männer in Potsdam im Sommer 1945 die Hände.

Doch "Made in Western Germany" wird wieder zu einem Markenzeichen, während sich die DDR einigelt. Daran ändert auch ein 17.Juni 1953 nichts. Und die Revolution der APO wie die Bomben der RAF "befreien" den Deutschen nicht. Doch immerhin führt Brandts Politik der kleinen Schritte zum 9.November 1989, wiewohl das immer schon der Schicksalstag der Nation war.

Sind wir ein Volk? Nun - immerhin haben wir seit 50 Jahren eine Demokratie und keinen Krieg erlebt, eine derart lange friedliche Phase, wie sie uns Deutschen noch nicht vergönnt war, will man den Kapiteln von Manfred Mai und den Bildern von Juliam Jusim glauben.

Ein rundum gelungenes Buch, prägnant, leicht verständlich und vor allem den Überblick verschaffend, ohne dass der Autor ein einziges Mal einen Spiegelstrich zur Aufzählung von totem Faktenwissen benutzen müsste. Ganz im Gegenteil - spannend erzählt und einen roten Faden verfolgend gräbt sich Mai durch mehr als 20 Jahrhunderte und hinterläßt manchen neuen Anstoß zum Gedanken an den Satz von "Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland".

Lesealter ab 14 Jahren


Manfred Mai - Deutsche Geschichte

mit Bildern von Julian Jusim
© 1999, Weinheim, Beltz Verlag, 171 S., 14.90

und als Hörbuchausgabe gelesen von Mark Bremer
© 2000, Hörcompany, 4 CDs, 20.70

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© by Manuela Haselberger
rezensiert am 1999/06/24

Quelle: http://www.bookinist.de
layout © Thomas Haselberger