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  Lesealter: 13 Jahre  

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Bookinists Buchtipp zu


Shylocks Tochter

von Mirjam Pressler


Werkstattbuch

über Mirjam Pressler




Überleben im Ghetto
Mirjam Pressler - Malka Mai

s ist eine authentische Geschichte, die Mirjam Pressler in ihrem neuen Jugendbuch "Malka Mai" erzählt. In einer kleinen Kladde mit nicht mehr als fünfzig Seiten, hat Malka Mai, die heute in einem Vorort von Tel Aviv lebt, ihre Kindheit festgehalten. Zunächst war sie für die Dokumentensammlung der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem bestimmt, doch der Verlag schickte es an Mirjam Pressler, die auch als Übersetzerin arbeitet. So nahm sie an, dass es um eine Übersetzung aus dem Hebräischen gehe. Erst im persönlichen Gespräch mit Malka Mai kristallisiert sich für Mirjam Pressler die fesselnde Kindheitsgeschichte heraus, die sie in den Eckdaten belassen, aber ansonsten mit ihrer Fantasie angereichert hat.

Malka Mai lebt zusammen mit ihrer jüdischen Mutter und ihrer älteren Schwester in einem kleinen Ort in der Nähe der polnisch - ungarischen Grenze. Sie ist sieben Jahre alt, als sich ihre Mutter Hals über Kopf zur Flucht vor den Deutschen entschließt. Es ist ein strapaziöses Unterfangen und Malka, nur mit leichtem Schuhwerk bekleidet, wird krank. Die Zeit drängt, und obwohl ihre Mutter Ärztin ist und versucht, ihrer Tochter so gut es geht medizinisch zu helfen, muss sie das kleine fiebernde Mädchen, nachdem sie die Grenze nach Ungarn heimlich überschritten haben, bei einer Bauernfamilie zurücklassen.

Malka bekommt wenig Hilfe von diesen Menschen, die Lebensmittel sind auch in Ungarn knapp und sie landet, nachdem sie allein herumirrt und von der Polizei festgenommen wird, wieder in Polen - im jüdischen Ghetto. Mit unglaublicher Zähigkeit, schlägt sich das kleine Mädchen durch. Sie hat keine Wahl und entwickelt eigene Überlebensstrategien. Ständig kontrolliert sie ihre Umgebung nach Verstecken und Schlupfwinkeln und, fast noch wichtiger, nach Lebensmitteln, denn der Hunger nagt dauernd in ihr.

Aus ihren Gedanken hat sie die Mutter und ihr vorheriges Leben verdrängt, sie erlaubt sich noch nicht einmal das Wort "Mutter" zu denken. Ihre Mama wird in der Erinnerung zu einer distanzierten "Frau Doktor". Alles andere würde sie zu sehr schmerzen.

Mirjam Pressler beschreibt eine harte jüdische Kindheit, doch ein Schicksal, wie Malka Mai es erlebt hat, das plötzliche Herausfallen aus einer behüteten Kindheit in eine unbehütete, war in den Jahren des "Dritten Reiches" keine Seltenheit. Malka hatte Glück, ihre Mutter fand sie wieder und zusammen mit ihrer Schwester ist ihnen die Ausreise nach Israel gelungen. In sehr vielen Fällen sah die Realität anders aus. Übrigens, die echte Malka hat sieben Wochen lang kein Wort mit ihrer Mutter geredet, als die beiden sich wieder getroffen haben.

"Malka Mai" ist ein Buch, das jedem Jugendlichen, der sich mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen möchte, in die Hand gedrückt werden sollte. Vielleicht gelingt aber auch der umgekehrte Weg: Wer noch nicht so viel über diese Zeit weiß, findet hier eine Menge zum Thema: Was Menschen in der Lage sind, einander anzutun, über das es lohnt nachzudenken.

Noch ein Tipp: Soeben ist Mirjam Presslers traurig - schöne Geschichte mit stark autobiografischen Zügen über das Heimkind Halinka, "Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen," als Hörbuch erschienen. Dieser ebenfalls sehr beeindruckende Roman wurde 1995 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. © manuela haselberger


Mirjam Pressler - Malka Mai
2001, Weinheim, Beltz und Gelberg Verlag, 325 S., 14.90 €


Fortsetzung des Lesezitats ...

"Wir treffen uns in Munkatsch wieder"

Malka wachte mitten in der Nacht auf, jedenfalls glaubte sie, es sei mitten in der Nacht, weil es ganz dunkel war, doch dann sah sie graues Licht im Fenster und wusste, dass es früher Morgen sein musste. Ihre Mutter und Minna saßen unter dem Fenster auf dem Boden, mit angezogenen Knien, wie schwarze Zelte sahen sie aus und ihre Gesichter waren blasse Halbmonde. Sie unterhielten sich miteinander, vermutlich waren es ihre Stimmen gewesen, die sie aufgeweckt hatten. Malka lauschte, ohne wirklich zu verstehen, was sie meinten, die Wörter flossen durch ihren Kopf wie das Wasser durch das Flussbett, blieben an Steinen hängen, strudelten, schwappten ans Ufer, flossen weiter.

"Ich weiß nicht, wie lange wir nach Munkatsch brauchen, vielleicht ein paar Tage oder eine Woche", sagte die Mutter. "Bis dahin geht es ihr bestimmt viel besser und Kopolowici kann sie zu uns bringen, mit der Eisenbahn, das sind nur ein paar Stunden. In Muklatsch kenne ich einen Arzt, Doktor Rosner, dort können wir sie treffen." "Und wenn sie geschnappt werden?", fragte Minna.

Die Stimme der Mutter klang beruhigend. "Sie werden nicht geschnappt werden, die Kopolowicis haben ein Mädchen, das ungefähr in ihrem Alter ist, deren Geburtsurkunde kann er mitnehmen. Niemand wird merken, dass sie nicht sein Kind ist. Und warum sollte ein Vater nicht mit seinem Kind zu Verwandten nach Munkatsch fahren?"

"Findest du es wirklich richtig, sie hier zu lassen?", fragte Minna nach einer Pause. Ihre zittrige Stimme schwebte durch die Luft, drang durch Malkas Ohren direkt in ihren Bauch und füllte ihn ganz aus, so dass sie fast keine Luft mehr bekam. Ihr wurde schwindlig.

Die Mutter fing an zu weinen. "Ich weiß doch selbst nicht, was ich tun soll. Wir müssen weiter, wir dürfen hier nicht gefunden werden. Und sie ist krank, mit diesem Fieber muss sie ein paar Tage im Bett bleiben. Du hast doch auch gemerkt, dass sie kaum mehr gehen konnte. Ein Kind fällt nicht auf, ein Kind läuft immer irgendwie mit. Es nützt doch nichts, wenn wir uns alle drei der Gefahr aussetzen, geschnappt zu werden. Wir treffen uns in Munkatsch wieder und von dort aus wird der Weg hoffentlich leichter."

Von wem reden sie?, dachte Malka. Von welchem Kind? Und wohin soll das Kind mit der Eisenbahn fahren?
Sie wollte den Kopf heben, um ihrer Mutter und ihrer Schwester zu zeigen, dass sie wach wir, aber sie konnte es nicht, denn obwohl es dunkel war, drehten sich Lichtstreifen vor ihren Augen und wurden größer, es waren die Lichter einer Lokomotive, sie sah Dampf aufsteigen, rötlichen Dampf, in dem Funken glühten, und der Dampf umfing sie, hob sie hoch und schaukelte sie hin und her.

Als sie das nächste Mal aufwachte, war es wirklich Morgen. Ihre Mutter und Minna saßen auf ihrem Bettrand, an der Tür stand ein fremder Mann. Das musste Herr Kopolowici sein, von dem die Mutter gestern erzählt hatte. "Los, beeilen Sie sich", sagte der Mann. "Die anderen warten nur noch auf Sie und Ihre Tochter." "Malka", sagte die Mutter. "Du bleibst ein paar Tage hier, bei der Familie Kopolowici. Und wenn es dir wieder besser geht, bringt Herr Kopolowici dich mit der Eisenbahn zu uns. Wir müssen nach Munkatsch und du bist zu krank, um mitzukommen."

Malka brauchte lange, um die Worte zu verstehen, und auch dann waren sie nicht klar und es fiel ihr schwer, den Sinn zu erfassen. Aber "du hier" und "wir Munkatsch" drang zu ihr durch. Sie weinte. "Ich will nicht hier bleiben", sagte sie. "Ich kann gut laufen, das weißt du doch. Ich bin kein kleines Kind mehr."

Die Mutter zog sie hoch, so dass sie im Bett saß, legte die Arme um sie und drückte sie an sich. "Es geht nicht anders, es muss so sein, wir haben keine Wahl." Malka wollte betteln, wollte schreien, doch dann sah sie das Gesicht ihrer Mutter, sah, dass Minna den Tränen nahe war, und verstand, dass es wirklich so sein musste. Deshalb schluckte sie das bittere Gefühjl, das in ihrer Kehle aufstieg, hinunter und schwieg.

"Kommen Sie endlich", sagte der Mann von der Tür aus. "Ich habe die Adresse von Doktor Rosner und Sie haben die Adresse von meiner Schwester, ich werde Ihnen die Kleine bringen, sobald es ihr besser geht, Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen." Malka sah den Mann an, er blickte starr zu dem kleinen Fenster auf der gegenüberliegenden Seite, in dem das Licht immer heller wurde. "Geht nur", sagte Malka. "Geht nur, ich bleibe hier."

Dann ließ sie sich rückwärts fallen, drehte sich zur Wand und machte die Augen zu, um nicht sehen zu müssen, wie ihre Mutter und Minna die Kammer verließen. Liesel fest an ihr Gesicht gedrückt, hörte sie erst die lauten Schritte auf der Treppe, dann das Klappen einer Tür. Danach klangen die Schritte dumpfer, als würden sie über Erde oder über Gras gehen. Schließlich war nichts mehr zu hören. Nur noch das Gackern von Hühnern.
Lesezitat nach Mirjam Pressler - Malka Mai

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© 6. Mai 2001 by
Manuela Haselberger
Quelle: http://www.bookinist.de